Samstag, 15. Januar 2011

Medizinische Dokumentation: TILAK Innsbruck setzt auf Medizinische Organisationsassistenten

Seit Januar 2011 beschäftigt die Klinik für Neurologie der Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH (TILAK) in Innsbruck zwei Medizinische Organisationsassistenten. Von dem neuen Berufsstand verspricht sich die Klinikleitung eine enorme Entlastung der Ärzteschaft, aber auch der Pflege. 

Was zum folgenden Artikel noch zu ergänzen ist: das Pilotprojekt ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die als Kooperation zwischen dem Ausbildungszentrum West der TILAK, namentlich Dr. Joannes Castelein, und den Euro-Schulen Trier, Höhere Berufsfachschule für Medizinische Dokumentationsassistenten (MDA) sehr erfolgreich seit Anfang 2008 lief. Bereits 2008 wurde der erste MDA eingestellt. Der Medizinische Dokumentationsassistent, wie er in Deutschland ausgebildet wird, stand dabei Pate für den Organisationsassistenten.

Neue Helfer bringen Ärzten mehr Zeit für den Patienten

An der Klinik für Neurologie startet ein Pilotprojekt mit Organisationsassistenten.

Von Elke Ruß

Innsbruck – Bis zu einem Drittel ihrer Arbeitszeit brauchen Spitalsärzte bereits für Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben. Das ergab zuletzt eine bundesweite Umfrage – und das deckt sich mit den Erfahrungen an der Innsbrucker Klinik für Neurologie, berichtet OA Armin Muigg.

Die elektronische Krankenakte erleichtere zwar den Zugriff auf Patientendaten und Befunde, sie bedeute aber auch, „dass man sehr viel in den PC einspeichern muss. Am Nachmittag bleibt kaum mehr Zeit für ein Patientengespräch. Arztbriefe müssen häufig nach dem Dienst geschrieben werden und die Überstunden werden mehr.“

Aufgaben erledigen zu müssen, die sie nicht als Kern ihres Berufes sehen, ist kein Problem der Ärzte allein, weiß Martina Augl, die Organisationsentwicklerin der Tilak. Das betreffe Pfleger, Therapeuten und Sozialarbeiter genauso: Termine, Befunde, Transporte, Entlassungen, Kontrollen und Therapien müssen organisiert bzw. ko­or­diniert werden. Nicht immer dringen dabei alle Informationen zu denen vor, die sie brauchen.

„Wenn dafür nur jemand fix zuständig wäre und den Überblick hätte!“ – Dieser Stoßseufzer wird jetzt erhört: Ähnlich wie es in Deutschland „Case-Manager“ gibt, starten im Jänner auf zwei Stationen der Neurologie „Organisationsassistenten“. Bis April werden alle Stationen versorgt sein.

Augl umreißt die Aufgaben der Assistenten: Schon vor geplanten Aufnahmen werden sie etwa Vorbefunde und nötige CR- und MR-Termine organisieren. „Notfallpatienten wissen, dass das nur auf Abruf geht“, sagt Muigg. „Aber bei einer geplanten Aufnahme hat ein Patient kein Verständnis, wenn er dann vier Tage auf eine Untersuchung warten muss.“ Die Assistenten sorgen dann dafür, dass die Ergebnisse bei der Visite abrufbar sind und organisieren weitere Termine. Auch vor der Entlassung bleiben sie am Ball, damit Angehörige informiert sind und alles Nötige – vom Transport über Hilfsmittel und Arztbrief bis zur Kontrolle – zeitgerecht vorbereitet wird.

Das Modell soll die Abläufe verbessern, Überstunden sparen und nicht nur das Stationspersonal zufriedener machen: „Die Patienten sind viel beruhigter, wenn man am Nachmittag noch Untersuchungsergebnisse besprechen und mit Angehörigen reden kann und sie nicht bis zur Visite in der Früh warten müssen“, weiß Muigg. 

Möglich werden die Helfer durch eine Einigung mit der Tilak. Muigg: „Wir haben seit Jahren Ärzte-Planstellen, die wir nicht nach­be­setzt bekamen. Jetzt wird je eine Arztstelle auf zwei Or­ga­ni­sationsassisten­ten aufgeteilt.“ 

„Das Pilotprojekt läuft zwei Jahre und wird von der Tilak begleitet“, erklärt Augl. Die Assistenten bringen entweder Erfahrung in der medizinischen Dokumentation oder Pflege mit und werden ergänzend geschult. Wenn das Modell die Erwartungen erfüllt, soll es ausgedehnt werden. Auch ein eigener Lehrgang am AZW sei dann denkbar.

(Quelle: Tiroler Tageszeitung vom 30.12.2010)

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