Dienstag, 31. Mai 2011

[Infographic] Twitter in Healthcare

Seattle-based technology company Appature, Inc. has surprised us with a useful infographic which may help healthcare companies to answer a simple question: Is Twitter right for your brand?

(Source: Appature, Inc. via Wissit bloggt)

Montag, 30. Mai 2011

Neues aus Digit@lien (2). Wie Social Media die Gesundheit fördern

Der gleichnamige Artikel ist heute in der "mdi - Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik" erschienen. Sie können ihn auf den Seiten der Euro-Schulen Trier, Höhere Berufsfachschule für Medizinische Dokumentationsassistenten herunterladen, und zwar hier.

Der 100. Blogbeitrag widmet sich... EHEC!

Während wir gestern den letzten Salat mit Tomate und Gurke auf unbestimmte Zeit gegessen haben, tauchte unter den Gästen die Frage auf, wie EHEC zu kodieren sei. Die CaseMix-News hatten diese Frage bereits Samstagabend geklärt mit einem Hinweise zur Kodierung, der von Dr. Lütkes, Klinik für Nephrologie und der Abteilung Controlling der Universitätsklinik Essen stammt. Hier die Auflösung: http://www.mydrg.de/dload/Kodierung__EHEC_HUS.pdf
(Update 06/2011)

Vom schwierigen Umgang mit Health 2.0 in Deutschland

Wie ist es derzeit um das Thema Health 2.0 in Deutschland bestellt? Mau vermutlich. Zumindest drängt sich dieser Gedanke auf, wenn man den Hauptstadtkongress 2011 Medizin und Gesundheit in Berlin betrachtet. Schon im Vorjahr hatten es die Programmmacher versäumt, die Chancen und Risiken Sozialer Netzwerke für die Gesundheitswirtschaft zu thematisieren (ich hatte berichtet). Und in diesem Jahr? Sollte der Management-Workshop "Neue Medien machen's möglich: Marketing modern" tatsächlich die einzige Veranstaltung gewesen sein, bei dem es explizit um Social Media im Gesundheitssektor gegangen ist? Gerade einmal 90 Minuten, in denen in Form eines Rundumschlags die Themen "Marketing und neue Medien im öffentlichen Krankenhaus" (A. Steiner), "Web 2.0" (F. Stratmann), "Personalmarketing im Web 2.0" (Mi. Quaas) und "Das veränderte Informationsbedürfnis von Patienten" (B. M. Bertram) angerissen wurden. Oder gab es noch mehr Veranstaltungen? Das Programm ist hier leider wenig aussagekräftig.
Sachdienliche Hinweise bitte an die schnittstelle:wissen.

Sonntag, 29. Mai 2011

Doctors 2.0 & You: Eine Konferenz zur Untersuchung des Innovationspotentials von Web 2.0 aus ärztlicher Perspektive

Vom 22. bis 23. Juni 2011 findet in Paris an der Cité Universitaire Internationale erstmalig die Konferenz "Doctors 2.0™ & You" statt. Konferenzveranstalter ist die in Paris ansässige Healthcare-Beratung Basil Strategies. Basil Strategies hatte sich bereits 2010 als Mitveranstalter der Health 2.0 Europe Konferenz einen Namen gemacht (schnittstelle:wissen berichtete ausführlich).

Auf der Agenda steht, wie sich Social Media auf das Gesundheitswesen auswirken. Das Gesundheitswesen befindet sich an einem Wendepunkt, da technologische Errungenschaften immer häufiger Verwendung finden und die Bedeutung und der Einfluss von Online-Tools immer weiter zunimmt. Hauptaugenmerk liegt darauf, wie Ärzte soziale Medien und Web 2.0-Tools nutzen, um mit Patienten, Kollegen, Vertretern der Pharmaindustrie, Leistungsträgern und Krankenhäusern in Verbindung zu treten oder zu kooperieren.

Anders als auf vergleichbaren Konferenzen, bei denen der Fokus auf den E-Patienten liegt, nehmen hier Fachleute aus ganz Europa, den USA und Israel die Perspektive der Ärzteschaft ein und referieren über deren professionelle Nutzung von neuen und sozialen Medien und wie sich dies ganz praktisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich auf das Gesundheitswesen auswirkt.

Der Arzt - das unbekannte Wesen innerhalb der Social Media? Nach wie vor ist wenig bekannt, wie Ärzte derzeit von diesen Tools Gebrauch machen und welche Ergebnisse, "Best Practices" und Möglichkeiten sich daraus ergeben bzw. welchen Herausforderungen sie dabei begegnen. Auf der Tagesordnung stehen Themen wie geeignetes Social Networking, Akzeptanz aufseiten der Ärzteschaft und Vorbehalte gegenüber neuen Tools sowie maßgebliche Geschäftsmodelle, um die Debatte in Gang zu bringen und den Informationsaustausch mithilfe von Workshops, Gesprächsrunden, interaktiven Ausstellungen und sozialen Veranstaltungen zu fördern. Die Konferenz wird Ärzte, Ärztegemeinschaften und Patientenvereinigungen, Lieferanten von Internet- und mobilen Tools, Krankenhäuser, Versicherer, Pharmaunternehmen und Regierungsstellen zusammenführen. Zu den Rednern gehören unter anderem internationale Experten wie Jacques Lucas (Nationale französische Ärztekammer), Bertalan Mesko (Webicina), Victor Montori (Mayo Clinic), Lucien Engelen (Radboud Med Center) oder Len Starnes (Global E-Business, Bayer Schering Pharma).

"Das Gesundheitswesen befindet sich an einem Wendepunkt, da technologische Errungenschaften immer häufiger Verwendung finden und die Bedeutung und der Einfluss von Online-Tools immer weiter zunimmt", konstatiert Denise Silber von Basil Strategies und Veranstalterin von "Doctors 2.0™ & You". "Während es einerseits keine einfache Antwort auf die Frage gibt, wie Ärzte soziale Medien einsetzen oder in der Zukunft in der Praxis nutzen werden, besteht kein Zweifel daran, dass branchenweite Fortschritte nicht ohne Berücksichtigung der ärztlichen Perspektiven erzielt werden können. 'Doctors 2.0™ & You' wird diese Perspektiven voranbringen und ein interaktives Forum bieten, um zu erörtern, was sich rund um die neuen und bereits vorhandenen Kommunikationstools wirklich ereignet, welche Erwartungen die Ärzte hegen und welche Entwicklungen in der Zukunft wünschenswert sind."

Weitere Informationen finden sich unter http://www.doctors20.com/ oder wenn Sie Doctors 2.0 & You und ihre Communities und Gruppen auf Twitter, LinkedIn, Facebook und YouTube verfolgen.

Samstag, 28. Mai 2011

Medizinische Dokumentation: Warum eine ganze Branche dringend peppige Infografiken benötigt

Kinder, wie die Zeit vergeht! Ich bin jetzt seit gut einem Jahrzehnt im Informationsmanagement tätig. In der Endzeit meines Volontariats in der Abteilung Archive und Informationsprodukte der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH war mir bei der alltäglichen Lektüre des hauseigenen Produkts aufgefallen, dass langsam aber sicher ein neuer Stil, Informationen grafisch aufzubereiten, Einzug gehalten hatte. Besonders fiel mir das in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung auf, und auch die leider 2002 eingestellten "Berliner Seiten" waren eine Spielwiese für die grafische Abteilung. Keine Ahnung, wer dafür zuständig war, ich glaube ich habe als Urheber öfter mal einen Kollegen namens Felix Brocker gesehen? Ist ja auch egal. Auf jeden Fall fasziniert mich seit dieser Zeit das Thema Infografiken. Meine Magisterarbeit hatte ich zuvor bereits einem verwandten Thema gewidmet, den Text-Bild-Relationen.

Pimp my industry!
Im Medizinischen Informationsmanagement, meiner derzeitigen Branche, ist mir aufgefallen, dass die meisten Publikationen zwar echt gut gemachte Excel-Diagramme enthalten, aber in der Regel auch nicht mehr. Spricht in erster Linie sicherlich für die Aufgabe, die die Visualisierung von Daten nun mal hat; vielleicht aber auch ein bisschen für den Charme, den eine ganze Branche versprüht, hatte ich auf der Zunge zu sagen - zumindest aber entspricht es der Wahrnehmung, die viele gemeinhin von der ABD-Branche haben: Archivare, Bibliothekare, Dokumentare. Informationsjunkies und Faktenhuber, unheimlich genau, dabei oftmals knochentrocken. Zahlen, Daten, Fakten. Immer schön im Gleichschritt Klaus Norths Wissenstreppe hinauf...

Schade eigentlich, denn es ließen sich doch mit Sicherheit andere Wege finden, die teils dröge Materie ansprechend aufzubereiten.

A propos Imagewechsel
Ein erster zarter Schritt in Richtung eines Imagewechsels war die vom Eigenheim träumende Medizinische Dokumentationsassistentin Janine aus Böhlen in Sachsen, die 2007 Montag-Mädchen in BILD war die Umbenennung von Medizinische Dokumentation in Medizinisches Informationsmanagement, für mich ein richtiger und überfälliger Schritt. Gegangen ist ihn dankenswerterweise die Fachhochschule Hannover mit der Umbenennung des Studiengangs zum Wintersemester 2010/2011. Manche sehen das als nicht viel mehr als einen Marketinggag an, als alten Wein in neuen Schläuchen: auf der DVMD-Tagung am 17. Februar 2011 in Hannover gab's dazu eine süffisant-kritische Anmerkung vom Vertreter der Fachhochschule Ulm, wo man nach wie vor scheinbar unerschütterlich an "Medizinische Dokumentation und Informatik" festhält (zumindest an der FH, die SMD ist ja auf skandalöse Weise abgewickelt worden). Aber das nur nebenbei.

Pimp my chart!
Zeit, das zu ändern, haben wir uns gedacht. Präsentation ist ohnehin Unterrichtsgegenstand an der Höheren Berufsfachschule für Medizinische Dokumentationsassistenten der Euro-Schulen Trier, wissenschaftliches Arbeiten auch. Evidenzbasiertes Arbeiten versuchen wir hier mit verschiedenen Textsorten zu verknüpfen, d. h. die Auszubildenden schreiben nicht nur längere Studienarbeiten zu den unterschiedlichsten Themen, sondern versuchen sich auch an wissenschaftlichen Postern

Jetzt wollen wir neue Wege gehen, und ab nächster Woche beschäftigen wir uns zum ersten Mal mit Infografiken. Entsprechende Literatur ist besorgt, die Auszubildenden haben sich in einer Vorrecherche mit dem Thema vertraut gemacht. Auch die Datenbasis liegt vor. Wir sind natürlich keine Grafiker, aber der ein oder die andere unter den Auszubildenden ist durchaus kreativ tätig. Darüber hinaus haben wir eine Grafikdesignerin, die uns unterstützt, sowie bei Bedarf auch eine Organisationseigene Werbeagentur.

Ein paar tolle Funde zum Thema allgemein möchte ich nicht vorenthalten:

Ein klasse Blog mit News zum Thema Infografiken, Informationsdesign & Technische Illustration

Über teils kostenfreie Software informiert dieser Blogbeitrag

Und dann ist da noch Edward Tufte, der die Infografik zur eigenen Kunstform erhoben hat. Tja, der Übergang von der Information zur Kunst ist zuweilen fließend...

Stay tuned...

Freitag, 27. Mai 2011

Multimediakongress 2011: IT- und Medienbranche tauscht sich in Trier aus

Das rheinland-pfälzische Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur hat heute mitgeteilt, dass der 10. Multimediakongress der Landesregierung am 15. September 2011 in Trier stattfindet. Im Fokus dieser zentralen Veranstaltung der Landesregierung stehe der fachliche Austausch über die Bedeutung und Tragweite der Informationstechnologie. Entscheider der Medien-, IT- und Kreativbranche (MIK), der Wissenschaft, Politik und Verwaltung aus der Europäischen Großregion Trier / Luxemburg und dem Land wollen über aktuelle Fragen der digitalisierten Gesellschaft diskutieren. Veranstaltungsort ist die Europäische Kunstakademie. 

Dabei ist der Ort alles andere als zufällig gewählt. „Das Thema IT und Medien in diesem kreativen Umfeld zu diskutieren, passt hervorragend“, so Infrastrukturstaatssekretärin Heike Raab zur Wahl des Veranstaltungsortes. „Dies war schon im vergangenen Jahr beim 9. Multimediakongress im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen inspirierend. Kreativität ist in der MIK-Branche der Schlüssel zum Erfolg –  und die Entwicklung  neuer Ideen funktioniert am besten, wenn auch über den eigenen Tellerrand hinaus geschaut wird.“

Dem diesjährigen Motto „Kommunikativ, kreativ und offen  –  kooperatives eGovernment" entsprechend wird sich das Kongress-Programm gestalten. Ziel ist es neben dem Austausch in der Branche auch Kooperationen und weiterführende Projekte im IT-  und Medienbereich im Land anzuregen. Regionale Firmen der Großregion Trier / Luxemburg haben die Möglichkeit, sich auf einer den Kongress begleitenden Ausstellung gemeinsam mit Vertretern aus Hochschulen und Verwaltungen zu präsentieren.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Health 2.0 Europe 2011 goes Berlin!

Announcing the 2nd annual edition: Berlin – October 27th & 28th, 2011
 

Following the success of the first edition in Paris in April 2010, the Health 2.0 team is thrilled to announce the 2nd annual Health 2.0 Europe in Berlin on October 27-28, 2011. The 2010 event gathered over 500 delegates in its first year and showcased the best of Europe’s Health 2.0 offerings with some American input too. Co-hosted with their partner K.I.T. Group, the 2nd edition will reconvene all the leaders and stakeholders in web 2.0 health: IT solution providers, health professionals, patient organizations, health authorities, public and private insurance organizations, medical devices and pharmaceutical companies, telecom groups, VC and financiers, policy makers, academics and more…

2011 Program Highlights

Health 2.0 Europe integrates the best of European web/mobile based technologies, and compares, contrasts and contextualizes them with leading examples of Health 2.0 from around the world. The audience will be seeing what works in the context of Europe’s evolving healthcare systems, and what the "boundary-less" online world means for consumers and physicians working in distinct healthcare systems – all in the lauded format of "rapid-fire" technology demos, provocative keynotes, and interactive discussions. 2011 themes will include:

• Patient and physician social networks
• Search & content
• Communities and data production
• Consumer and provider tools
• Health promotion and wellness 2.0
• Behavior change tools
• Privacy, data, trust
• Data utility layer & tools
• System integration
• Health 2.0 financing
• Mobile devices and smart phones

There’ll also be a presentation of the latest thinking about Health 2.0 in the European context, special videos, and an unconference session.

A signature of the Health 2.0 conferences, Launch!, will be back by popular demand. Come witness live demos of debuting technologies that will shape the future of healthcare.

To submit a topic, a speaker, or a start up for the Launch! session, or to inquire about becoming a partner of the event, please contact:

Pascal Lardier
Director, International conferences

Samstag, 14. Mai 2011

Online-Befragung: "Social-Media-Aktivitäten im Gesundheitswesen"

In den nächsten Wochen führt das Internetportal BeyondHealth eine Online-Befragung zum Gebrauch von "Social Media" im Gesundheitswesen durch. Die Fachzeitschrift "KU Gesundheitsmanagement" unterstützt die Aktion und ruft alle interessierten Führungskräfte und Mitarbeiter aus Krankenhäusern und Gesundheitswirtschaft dazu auf, sich an der Umfrage zu beteiligen.

Die Befragung soll darüber Aufschluss geben, welche Rolle Social-Media-Aktivitäten gegenwärtig und zukünftig im Kontext Gesundheitswesen spielen. Ziel ist es einerseits, eine Bestandsaufnahme zum Thema "Social Media" zu erstellen, und andererseits, potenzielle Handlungsfelder für die einzelnen Akteure im Gesundheitswesen zu identifizieren. Dabei steht insbesondere das Thema Personalgewinnung über Social-Media-Kanäle im Focus.

Die Ergebnisse und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen werden in der August-Ausgabe der KU Gesundheitsmanagement veröffentlicht. Auf Wunsch stellt BeyondHealth jedem Teilnehmer die komplette Befragung inklusive Auswertung kostenlos zur Verfügung.

Montag, 9. Mai 2011

Der ePatient – Schreckgespenst für Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung?

Ein Gespenst geht um in Digit@lien – das Gespenst des ePatienten. Alle Mächte des „alten“ Gesundheitsmarkts 1.0 haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet. Hetzjagd? Zumindest scheinen sich Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung vor einer neuen Einflussgröße auf dem Gesundheitsmarkt zu fürchten: dem Empowered Patient mit seiner digitalen Meinungsführerschaft. Entsprechend wollen sie Arztbewertungsportale im Internet geregelt sehen.

Patienten haben sich längst aus der ihnen traditionell zugewiesenen passiven Rolle im Behandlungsprozess befreit. Die Infrastruktur dazu hat ihnen das Web 2.0 geliefert. Das Herzstück der digitalen Kommunikationskultur sind Patientennetzwerke. Auf Plattformen wie Patientslikeme.com recherchieren Patienten nach Symptomen und Therapien, Medikationen und Alternativen. Patienten tauschen sich untereinander aus, auch über ihre Erfahrungen, die sie mit Ärzten und Krankenkassen gemacht haben. Dass dies durchaus sehr subjektiv vonstatten gehen kann, versteht sich von selbst. Und dass dies im Falle negativen Feedbacks dem betroffenen Arzt ein Dorn im Auge ist, ebenfalls.

Zur Thematik der Arztbewertungsportale im Internet hat nun der Vize-Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery, ein Statement abgegeben. Dessen Tenor lautet: Bewertung ja, aber nur nach fairen Spielregeln.

Aber was ist fair? Und vor allem: was sind die Spielregeln? Diese sind dabei gleich mitgeliefert worden, denn der nun in der zweiten Auflage erschienene Ratgeber „Gute PraxisBewertungsportale. Qualitätsanforderungen für Arztbewertungsportale“ definiert einen für Nutzer wie auch Anbieter geeigneten Qualitätsstandard, „der ein seriöses und nicht interessengeleitetes Angebot zu erkennen hilft“.

Insgesamt 40 Qualitätskriterien haben die Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung durch das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) entwickeln lassen. Neben mehr Patientenorientierung und Patientenzufriedenheit erhoffen sie sich auch das Ende der anonymen Internetbewertungen.

Qualitätskriterien als Guideline
Es handelt sich meines Erachtens um nichts Geringeres als den Versuch, Guidelines zu etablieren. Unternehmen verfassen Guidelines zur Nutzung von Social Media, um ihren Mitarbeiter vorzuschreiben, was erwünscht und was verboten ist. Wohlgemerkt: Unternehmen für ihre Mitarbeiter, was berechtigt wie auch verständlich ist. Mit den Standards jedoch erlassen die ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften Guidelines für Patienten und Seitenbetreiber. Das ist geradeso, als würde der Hase dem Igel en detail vorschreiben, wie er zu laufen habe.

Geht es nach den Standesvertretungen, haben Seitenbetreiber  explizit darauf hinzuweisen, „dass Bewertungen allenfalls Einschätzungen zu einzelnen Aspekten der Versorgung und Betreuung durch Arzt beziehungsweise Praxispersonal geben können“. Darüber hinaus stellen sie sicher, „dass Einträge in Freitextfeldern redaktionell zu festgelegten Zeiten geprüft werden“. Auch räumen seriöse Seitenbetreiber „betroffenen Ärzten die Möglichkeit zu Gegendarstellung und/oder Widerspruch ein“.

Vieles von dem, was die „Gute Praxis Bewertungsportale“ regeln möchte, ist natürlich sinnvoll. Ich kann mich jedoch nicht des Eindrucks erwehren, dass es sich hier unterschwellig um die Aufrechterhaltung eines irgendwie gearteten Status quo und damit um Bevormundung der Patienten handelt. Dazu liefert das Statement des Aufraggebers letzte sachdienliche Hinweise.

Das Grundübel bei solchen Formen der Arztbewertung bestehe, so Montgomery, nach wie vor darin, dass anonyme Internetbewertungen nicht nachprüfbar seien. Hinzu komme, dass Patienten die wirklich wichtigen Kriterien kaum nachprüfen können, Themen wie Hygiene etwa oder ob die medizinischen Gerätschaften auf dem neuesten Stand seien und der Arzt die fachliche Qualifikation erfülle. Das allein wüssten nur die ärztliche Körperschafen und die dafür zuständigen staatlichen Stellen. 

Und damit ist klar, wer über das, was wichtig ist, entscheidet. Nicht die Patienten. Das ist so arrogant wie restaurativ. Aber lesen Sie selbst:
„Es ist ganz natürlich, dass Patientinnen und Patienten daran interessiert sind, sich im Internet Informationen über Ärztinnen und Ärzte beschaffen zu können. In Arztbewertungsportalen werden Informationen von Patienten für Patienten bereitgestellt, die im Einzelfall sinnvoll sein können. Die Einschätzungen können durchaus zu mehr Patientenorientierung und Patientenzufriedenheit beitragen.“
Okay, es geht um harte Fakten. Den Patienten wird jedoch in toto abgesprochen, sich dazu äußern zu können. Von weichen Faktoren ist zudem überhaupt keine Rede. Dabei sind es gerade doch diese Dienstleistungs-Faktoren, die für Patienten relevant sind: Behandlungsqualität, Patientenzufriedenheit, Patientensicherheit, Zeitmanagement, Organisation, persönliche Ansprache usw.

Wovor sich die Standesvertretungen fürchten, wird überdies klar, wenn man liest, was die ÄZQ am AOK-Arztnavigator so toll fand. Nicht nur, dass 35 von 40 ihrer Kriterien erfüllt wurden. Nein, weil es keine Freitextbewertungen gebe, die Frageformen eher positiv seien und dadurch die Patienten nicht dazu verleiteten, ihren Frust abzuladen. Oha.

Wie verzweifelt muss ein ganzer Berufsstand sein, wenn er solche Guidelines erlässt?

Ich kann nicht begreifen, dass Health 2.0 nicht zu allererst als Chance begriffen wird. Denn Social Media ermöglichen Ärzten nicht nur ein Update ihres eigenen Wissens, sondern auch den fachlichen Austausch und den aktiven Einbezug des Patienten in den Behandlungsprozess. Dadurch entsteht ein großes Potenzial für die Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung.

Sonntag, 8. Mai 2011

"e" wie Empowerment: Swiss ePatient Day 2011 am 29. Juni 2011 in Luzern

Die große Mehrheit der Patienten ist online. Sie recherchieren indikationsbezogen, interessieren sich für Symptome, Therapien, Medikationen, Alternativen, Leistungserbringer, Zweitmeinungen, Krankenkassen, Patientenerfahrungen und Patientenbewertungen. Neben der Beschaffung von für sie relevanten Gesundheitsinformationen vernetzen sie sich untereinander und tauschen sich über verschiedene Behandlungsmethoden und Leistungserbringer aus. 

Insbesondere durch die Möglichkeit der Sozialen Netzwerke ist dadurch eine neue Einflussgröße auf dem Gesundheitsmarkt entstanden: der ePatient. Dabei steht das "e" für Empowerment, was der Tatsache Rechnung trägt, dass die Wirkmächtigkeit solchen Wissens nicht zu unterschätzen ist. Denn die Patienten beinflussen immer stärker solche Bereiche wie Selbstdiagnose, Arztwahl, Präferenzen für eine Medikation oder Therapie.

Der Patient ist dadurch nicht länger der passive, abhängige Empfänger einer medizinischen Leistung, sondern seine Rolle hat sich zum aktiven, partizipativen Teilnehmer im Gesundheitswesen gewandelt. Die ePatienten möchten in die Prozesse eingebunden werden, ihre Daten selber verwalten und als aktive Partner respektiert und involviert sein.

Diese Entwicklung bietet vielfältige Chancen für Leistungserbringer wie Kliniken und Ärzte. Mit neuen, innovativen Modellen und Lösungen für die Interaktion und Kommunikation lassen sich die ePatienten gezielt in ausgewählte Prozesse mit einbeziehen:
  • Ein Self Check-In Terminal im Krankenhaus? Der Patient spart Zeit, das Krankenhaus erhöht die Effizienz in der Administration.
  • Ein Online-Portal für die Verwaltung von Gesundheitsdaten? Die Klinik positioniert sich als innovativer Versorger, der Patient kümmert sich  mitverantwortlich um die Pflege seiner Daten.
Das funktioniert umso besser, wenn Leistungserbringer und Patienten die neuen Herausforderungen gemeinsam in Angriff nehmen. Wie sich die "empowered patients" in diese Prozesse einbinden lassen, darum geht's beim ersten Swiss ePatient Day, zu dem die emineo AG am 29. Juni 2011 ins Luzerner Kantonsspital lädt.

Für die Keynotes konnten mit Jay Parkinson und Bart de Witte zwei namhafte Experten gewonnen werden.

Samstag, 7. Mai 2011

Warum ausgerechnet ein offener Brief? Gedanken zu Gunter Duecks „Aufruf an die Generation Digital“

Ich muss zugeben, ich mag diese Textsorte. Der offene Brief oszilliert als Kommunikationsform irgendwo zwischen dem Appell und der Anklage – und ist dabei fast immer eine Provokation. Das rückt ihn eindeutig in die Nähe der publizistischen Marterwerkzeuge. Denn offene Briefe werden immer dann gerne verwendet, wenn der Verfasser die Adressaten unter Zugzwang setzen will. Man könnte das auch mit „absichtsvollem aus der Reserve locken“ umschreiben. Und das kann durchaus ehrenhaft gemeint sein, da es dem Verfasser zumeist darum geht, die Angesprochenen zu einem – aus seiner subjektiven Sicht – notwendigen Handeln zu provozieren. Offene Briefe sind damit immer auch ein Medium gesellschaftlicher Selbstverständigung.

All dessen sollte man sich bei offenen Briefen also stets bewusst sein.

Durch die Form des offenen Briefs wird der Empfänger in der Regel zu einer öffentlichen Stellungnahme zum Gegenstand des Schreibens aufgefordert. Das wird mit Sicherheit auch passieren, denn spätestens seit seinem vielzitierten Auftritt auf der re:publica 11 ist Gunter Dueck auch einem breiterem Publikum bekannt. In zahlreichen Tweets und Blogs wird sich mit seinen Thesen zur digitalen Welt auseinandergesetzt. Er selbst tut dies analog mit zahlreichen Büchern und Vorträgen, digital auf SINNRAUM.

Aus der Höhle in die Welt: die digitale Avantgarde im Winterschlaf
Die Handlung, zu der Gunter Dueck mit seinem „Aufruf an die Generation Digital“ provozieren will, ist nichts Geringeres als ein AusAufbruch, und das ist nicht zu Überlesen, denn es steht bereits im Untertitel: die Digital Natives sollen aus ihren (platonischen) Höhlen herauskommen, um die „Gesellschaft neu zu erfinden“. oh, warum sie? Was aber qualifiziert sie dazu? Die Antwort ist simpel: sie können Internet. Und weil die Zukunft digital ist… Mensch, höre ich Dueck sagen, wer soll es denn sonst machen?

Wir brauchen ein Betriebssystem für die Gesellschaft der Zukunft
Zunächst packt Dueck die digitale Avantgarde am Kragen bei ihrer Ehre, indem er sie nachdrücklich an ihre ureigenste Aufgabe erinnert, nämlich gestaltend voranzuschreiten – und nicht bloß nachzutun. Und die Argumente, die Dueck eines nach dem anderen anführt, dürften auch Nerds überzeugen.

Die Ursache von Komplexität sei oftmals Redundanz. Solche Komplexität behindere. Für viele Dinge des täglichen Lebens reiche eine gemeinsame Plattform als verbindliches Betriebssystem aus, in dem ökonomisch sinnvoll alles nur einmal programmiert sei. Dueck fordert die Reduktion von Komplexität, ein einziges intelligentes Betriebssystem anstatt zig Insellösungen. Cloud-Computing, also das Auslagern von Daten und Programmen ins Internet, weise dabei durchaus darauf hin, wie ein Betriebssystem für die Gesellschaft der Zukunft funktionieren könne, so Dueck.

Betriebssystem für die Gesellschaft der Zukunft? Das klingt vielmehr nach Gesellschaftssystem, und genau das müsse neu erfunden werden. Wie? Tja, Dueck gibt eher Hinweise, wie es nicht aussehen soll. Das bezieht er zu allererst auf die Berufe. All das, was wir durch Surfen nicht selbst erledigen können, sei eigentlich überflüssig, weil es ja bereits vorhanden sei: „Das Einfache der Berufe wandert ins Internet.“ Und für die Dienstleistungen, die dann noch übrig blieben, gäbe es dann den Professional. Doch über welche Kompetenzen müssen diese dringend benötigten Fachkräfte verfügen? Eigentlich müsse man sich nur die Stellenannoncen anschauen, so Dueck. Der Komplexität der Aufgaben sei es geschuldet, dass der Professional der Zukunft nicht nur über Fachkönnen verfügen müsse, sondern über soziale Gewandtheit, emotionale Intelligenz, Managementtalent, Verhandlungsgeschick, Selbstverantwortung und Unternehmergeist.

EQ - kann das irgendwo erworben werden? 
Unser Bildungssystem aber orientiere sich nach wie vor an der Vermittlung von Fachwissen. Wir lernten nicht, professionelle Menschen zu sein oder Persönlichkeiten zu werden. Niemand bereite uns auf das Komplexe vor. Jedoch seien die Professionalitätsstandards zukünftig so hoch, dass der Gesellschaft nicht anderes übrig bleibe, als den Erwerb von Persönlichkeit zu ermöglichen. Ja, Persönlichkeit könne nur erworben werden, so Dueck, nicht gelernt. Coaching, Training und Mentoring seien dafür erfolgversprechender als schierer Frontalunterricht. Und was für Klavierspiel und Tennis gelte, gelte auch für Managen, Verkaufen, Kommunikation: früh übt sich, wer ein Meister werden will. 
Also nicht erst nach dem Erwerb des Doktortitels mit 30, sondern viel früher. Wohl eigentlich ab der Vorschule, irgendwie.


Warum ausgerechnet in der FTD?
Duecks Thesen sind bereits bekannt, er hat sie schon an anderer Stelle publiziert. Doch warum veröffentlicht er sie erstens als offenen Brief und zweitens ausgerechnet in der Financial Times Deutschland (FTD)? Die FTD ist völlig unverdächtig, das Leitmedium der Generation Digital zu sein. Dringt sein Aufruf daher überhaupt in die „Höhle“ der Eingeborenen aus Digitalien vor? Oder verhallt er damit nicht recht eigentlich, weil das Medium falsch gewählt ist?

Ich denke, das Gegenteil ist der Fall, und ich bin fast versucht, die Wahl des Mediums als gelungenen Schachzug zu bezeichnen. Die FTD ist eines dieser Business-Blätter, welches um die Gunst der so genannten „Entscheider“ buhlt. Gleich hinter dem Handelsblatt und dem Manager-Magazin rangiert die FTD auf Platz 3 bei besonders begüterten Lesern nach Einkommen(Quelle: Media-Analyse 2010 Pressemedien II). Betrachtet man die überregionalen Medien, liegt die FTD auf Platz 7, direkt hinter der TAZ (Quelle: AG.MA 2010).

FTD? The medium ist the message!
Meines Erachtens wendet sich Duecks Aufruf daher nicht so sehr an die im Essay angesprochene Zielgruppe der Digital Natives und der Digital Immigrants, sondern er hat eine ganz andere Gruppe als Blogger und Facebook-Jünger im Visier: nämlich die von ihm so benannten Analog Exiles, worunter er die Mehrzahl der heute aktiven Politiker subsumiert. Diesen versucht er klar zu machen, dass sich etwas ändern muss. Geschickt...

Nota bene
Durch Emile Zolas „J’accuse… !“ wurde in Frankreich seinerzeit die Dreyfus-Affäre ausgelöst. In Deutschland hat der offene Brief jedoch nicht wirklich eine Tradition. Dass Duecks Aufruf einen vergleichbaren Impact hat, halte ich für durchaus wünschenswert.

Freitag, 6. Mai 2011

Eilmeldung: Endlich mal was Gutes in der FTD...

... und zwar in Form eines Essays von Gunter Dueck. Heute in der Financial Times Deutschland und überschrieben mit "Aufruf an die Generation Digital". Ich fühle mich durchaus angesprochen und deswegen renne ich jetzt mal flugs zum Kiosk...

Dienstag, 3. Mai 2011

A propos Employability: wodurch wird die individuelle Beschäftigungsfähigkeit beeinflusst?

Es gibt eine Reihe von Merkmalen und Anforderungen, die die individuelle Beschäftigungsfähigkeit beeinflussen:[1]

  • fachliche Kompetenz 
  • Initiative und Aktivität, das Erkennen und Nutzen von Chancen 
  • Eigenverantwortung für Entwicklung und Ziele 
  • Zielorientiertes Handeln 
  • Engagement und Ausdauer 
  • Lernfähigkeit und Lernbereitschaft
  • Teamfähigkeit 
  • Kommunikationsfähigkeit und Wirksamkeit in Kommunikation 
  • Empathie, Einfühlungsvermögen 
  • Belastbarkeit, Fähigkeit zum Umgang mit ungewohnten Situationen 
  • Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz 
  • Aufgeschlossenheit und Offenheit gegenüber neuen Sachverhalten, Ideen, Prozessen und Erfahrungen 
  • Fähigkeit zur Selbstreflexion

Klasse Checkliste, nicht wahr? Und wo finden wir jetzt einen Arbeitnehmer, der all diese übermenschlichenfachlichen Kompetenzen in optimaler Ausprägung besitzt? Nirgends, denn ein solcher würde geradezu einen Idealtypus darstellen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das überhaupt in der geballten Form wünschenswert wäre. Wahrscheinlich macht's die Mischung.
Jedenfalls ist ein solches Bild von Employability ganz und gar unopisch, und deswegen sollten wir einen anderen Betrachtungspunkt einnehmen, um ein realistischeres Bild von Beschäftigungsfähigkeit erhalten, welches sodann auch umsetzbar ist. Z. B. in einem Curriculum, denn damit beschäftige ich mich gerade.
Bei der ganzen Employability-Diskussion geht es letztlich also um nichts Geringeres, als angehende Arbeitnehmer dazu zu ermächtigen, dass sie „Veränderungen in den Anforderungen erkennen und nachvollziehen“ können, so die simple wie grundlegende Philosophie des auf das Arbeitnehmerindividuum zentrierten Employability-Konzepts. Das Individuum soll also dazu befähigt werden, sich regelmäßig die Sinnfrage zu stellen, ob die eigenen Fähigkeiten, Einstellungen und Eigenschaften noch mit den Anforderungen des gewünschten beruflichen Umfelds übereinstimmen. Und folgten diesem Matching Taten, wäre das dann ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. 



[1]      Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Beschäftigungsfähigkeit [Datum des Zugriffs: 2011-05-051 sowie J. Rump. und S. Eilers: Grundlagen. In J. Rump, T. Sattelberger und H. Fischer (Hrsg.): Employability Management – Grundlagen, Konzepte, Perspektiven. Wiesbaden 2005, S. 13-76, hier S. 47f.

Sonntag, 1. Mai 2011

A propos Bachelor: Das spanische 6-2-4-Modell – der Stein der Weisen?


In der Vergangenheit haben sich die Stimmen gehäuft, die eine Verlängerung der Regelstudienzeit beim Bachelor fordern, jedoch unter Beibehaltung der Gesamtstudiendauer von fünf Jahren kommt dies einem Spagat gleich. [1]
Abhilfe könnte vielleicht das spanische 6-2-4-Modell schaffen. [2] Nach sechs Semestern müssen sich die Bachelorstudenten entscheiden, ob sie einen Abschluss mit direktem Berufseinstieg wünschen oder eine Fortsetzung in Wissenschaft und Forschung. Wer auf die Wissenschaft setzt, wechselt sodann für die nächsten vier Semester in einen Masterstudiengang. Wer dagegen den direkten Berufseinstieg wählt, muss nach dem sechsten Semester zwei weitere Semester studieren, so dass er das Bachelorexamen dann nach acht Semestern in der Tasche hätte.
Ein zwei Bundesländern ist dieser Weg mittlerweile beschritten worden.[3]


[1]    Gefordert z.B. von Lutz Stratmann. Vgl. „Die Politik muss die Zügel anziehen“. Niedersachsens Wissenschaftsminister Stratmann will das Bachelorstudium verlängern – und den Zugang zum Masterstudium beschränken. In: Die ZEIT 38 (10. September 2009), S. 73.
[2]     Über das spanische Studiensystem gibt es ausführliche Informationen zum Beispiel auf diesen Seiten: http://www.daad.de/portrait/de/1.7_inhalt.html?landid=41&id=2&lang=de, http://www.um.es/estructura/internacional/de/sist-universitario.php und http://www.universidad.es/degrees/the_spanish_university_system. Allerdings fallen die Informationen jeweils etwas unterschiedlich aus. Rechtlich abgesicherte Informationen über Regelstudienzeiten sind beim zuständigen Ministerium für Bildung (Ministerio de Educación y Ciencia: unter www.mec.es) zu erfragen.
Im Zuge des Bologna-Prozesses werden in Spanien Studiengänge zukünftig in drei verschiedene Abschlusskategorien eingestuft: Bachelor (títulos de Grado), Master (Máster Universitario) und Doktortitel. Gleichzeitig werden dann auch Kreditpunkte nach dem ECT-System vergeben (25 Stunden Studium für einen Kreditpunkt) und die Studienzeit in Semestern gezählt. Bisher ist es so, dass ein spanischer Kreditpunkt (Studienpunkt, crédito) zehn Stunden Präsenzzeit und Selbststudium umfasste. Der Unterschied zum deutschen Bachelor- und Master-System besteht hautsächlich darin, dass die Bachelorstudiengänge in Spanien üblicherweise (drei bis) vier Jahre dauern und die Master (ein bis) zwei Jahre. Damit ist die Regelstudienzeit nicht bei fünf Jahren Gesamtstudienzeit bis zum Masterabschluss gedeckelt. Wohingegen nach den Strukturvorgaben der Kultusministerkonferenz in Deutschland die konsekutiven Bachelor- und Masterstudiengänge einer Hochschule nur akkreditiert werden können, wenn eine Regelstudienzeit von insgesamt fünf Jahren nicht überschritten wird. Zudem scheinen in Spanien die Verzahnungen der drei Zyklen stärker zu sein und manche Masterprogramme führen deutlich in Richtung Promotion und greifen zeitlich ineinander.
Neben diesen „neuen“ spanischen Abschlüssen gibt es noch traditionelle berufsbezogene Studiengänge, z.B. dreijährige Studiengänge an Escuelas Universitarias und Escuelas Universitarias Politécnicas, die allerdings mit einem hochschuleigenen Titel (Título propio: „Diplomado“, „Técnico“ oder „Ingeniero Técnico“) beendet werden. Der Abschluss qualifiziert die Absolventen für den Arbeitsmarkt. Die erfolgreiche Beendigung des ersten Zyklus bedeutet nicht, dass die Absolventen unmittelbar ihr Studium in einem verwandten Studiengang im zweiten Zyklus fortsetzen können. Dafür ist Voraussetzung, dass ein Aufbaukurs, der ein Jahr dauert, absolviert wird. Daneben bieten die Universitäten zahlreiche eigene Abschlüsse im zweiten Zyklus (Maestrías oder Másters) an. Das Studium zum Erwerb dieser Abschlüsse dauert in der Regel zwei oder vier Semester und setzt ein abgeschlossenes Bachelor- oder Masterstudium voraus. Diese Abschlüsse werden auf dem Arbeitsmarkt voll akzeptiert und anerkannt, da ihnen eine sehr praxisorientierte und auf verschiedene hoch spezialisierte Berufsfelder ausgerichtete Ausbildung zu Grunde liegt.
[3]      Ein solches Modell für Bachelor und Master wird in Deutschland z.B. an der Jade-Hochschule (http://www.fh-oow.de/aktuelles/database/docs/aktuelles_doc_23042010120604.pdf) und der TU Berlin (http://www.tagesspiegel.de/wissen/auf-augenhoehe-mit-den-grossen/1790760.html) konzipiert und umgesetzt.