Sonntag, 1. Mai 2011

A propos Bachelor: Das spanische 6-2-4-Modell – der Stein der Weisen?


In der Vergangenheit haben sich die Stimmen gehäuft, die eine Verlängerung der Regelstudienzeit beim Bachelor fordern, jedoch unter Beibehaltung der Gesamtstudiendauer von fünf Jahren kommt dies einem Spagat gleich. [1]
Abhilfe könnte vielleicht das spanische 6-2-4-Modell schaffen. [2] Nach sechs Semestern müssen sich die Bachelorstudenten entscheiden, ob sie einen Abschluss mit direktem Berufseinstieg wünschen oder eine Fortsetzung in Wissenschaft und Forschung. Wer auf die Wissenschaft setzt, wechselt sodann für die nächsten vier Semester in einen Masterstudiengang. Wer dagegen den direkten Berufseinstieg wählt, muss nach dem sechsten Semester zwei weitere Semester studieren, so dass er das Bachelorexamen dann nach acht Semestern in der Tasche hätte.
Ein zwei Bundesländern ist dieser Weg mittlerweile beschritten worden.[3]


[1]    Gefordert z.B. von Lutz Stratmann. Vgl. „Die Politik muss die Zügel anziehen“. Niedersachsens Wissenschaftsminister Stratmann will das Bachelorstudium verlängern – und den Zugang zum Masterstudium beschränken. In: Die ZEIT 38 (10. September 2009), S. 73.
[2]     Über das spanische Studiensystem gibt es ausführliche Informationen zum Beispiel auf diesen Seiten: http://www.daad.de/portrait/de/1.7_inhalt.html?landid=41&id=2&lang=de, http://www.um.es/estructura/internacional/de/sist-universitario.php und http://www.universidad.es/degrees/the_spanish_university_system. Allerdings fallen die Informationen jeweils etwas unterschiedlich aus. Rechtlich abgesicherte Informationen über Regelstudienzeiten sind beim zuständigen Ministerium für Bildung (Ministerio de Educación y Ciencia: unter www.mec.es) zu erfragen.
Im Zuge des Bologna-Prozesses werden in Spanien Studiengänge zukünftig in drei verschiedene Abschlusskategorien eingestuft: Bachelor (títulos de Grado), Master (Máster Universitario) und Doktortitel. Gleichzeitig werden dann auch Kreditpunkte nach dem ECT-System vergeben (25 Stunden Studium für einen Kreditpunkt) und die Studienzeit in Semestern gezählt. Bisher ist es so, dass ein spanischer Kreditpunkt (Studienpunkt, crédito) zehn Stunden Präsenzzeit und Selbststudium umfasste. Der Unterschied zum deutschen Bachelor- und Master-System besteht hautsächlich darin, dass die Bachelorstudiengänge in Spanien üblicherweise (drei bis) vier Jahre dauern und die Master (ein bis) zwei Jahre. Damit ist die Regelstudienzeit nicht bei fünf Jahren Gesamtstudienzeit bis zum Masterabschluss gedeckelt. Wohingegen nach den Strukturvorgaben der Kultusministerkonferenz in Deutschland die konsekutiven Bachelor- und Masterstudiengänge einer Hochschule nur akkreditiert werden können, wenn eine Regelstudienzeit von insgesamt fünf Jahren nicht überschritten wird. Zudem scheinen in Spanien die Verzahnungen der drei Zyklen stärker zu sein und manche Masterprogramme führen deutlich in Richtung Promotion und greifen zeitlich ineinander.
Neben diesen „neuen“ spanischen Abschlüssen gibt es noch traditionelle berufsbezogene Studiengänge, z.B. dreijährige Studiengänge an Escuelas Universitarias und Escuelas Universitarias Politécnicas, die allerdings mit einem hochschuleigenen Titel (Título propio: „Diplomado“, „Técnico“ oder „Ingeniero Técnico“) beendet werden. Der Abschluss qualifiziert die Absolventen für den Arbeitsmarkt. Die erfolgreiche Beendigung des ersten Zyklus bedeutet nicht, dass die Absolventen unmittelbar ihr Studium in einem verwandten Studiengang im zweiten Zyklus fortsetzen können. Dafür ist Voraussetzung, dass ein Aufbaukurs, der ein Jahr dauert, absolviert wird. Daneben bieten die Universitäten zahlreiche eigene Abschlüsse im zweiten Zyklus (Maestrías oder Másters) an. Das Studium zum Erwerb dieser Abschlüsse dauert in der Regel zwei oder vier Semester und setzt ein abgeschlossenes Bachelor- oder Masterstudium voraus. Diese Abschlüsse werden auf dem Arbeitsmarkt voll akzeptiert und anerkannt, da ihnen eine sehr praxisorientierte und auf verschiedene hoch spezialisierte Berufsfelder ausgerichtete Ausbildung zu Grunde liegt.
[3]      Ein solches Modell für Bachelor und Master wird in Deutschland z.B. an der Jade-Hochschule (http://www.fh-oow.de/aktuelles/database/docs/aktuelles_doc_23042010120604.pdf) und der TU Berlin (http://www.tagesspiegel.de/wissen/auf-augenhoehe-mit-den-grossen/1790760.html) konzipiert und umgesetzt.

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