Dienstag, 28. Juni 2011

Montag, 27. Juni 2011

Wissensmanagement in Medizin und Life Sciences

Waren Redundanzen bisher nur lästig, so sind sie im Internetzeitalter riskant. Zwar helfen Informationen Ungewissheit zu reduzieren. Überschüssige Information provoziert jedoch einen Zuwachs an Unsicherheit, wodurch Recherchen zunehmend zeitraubender und ineffizienter sind. Ressourcen wie Zeit und Geld werden vergeudet, was so inakzeptabel wie überflüssig ist. In wissensintensiven Arbeitsgebieten wie den Life Sciences, in denen sowohl Grundlagenforschung betrieben als auch gezielt marktwirtschaftlich orientiert gearbeitet wird, kann der Zeitverlust zudem zu Wettbewerbsnachteilen führen. Die Lösung bieten Recherche-Tools auf der Basis intelligenter Semantic Web-Technologien. Die Social Networking Platform für Lebenswissenschaftler BioMedExperts (BME) ist so ein Tool, welches Text Mining-Verfahren an bereits vorhandene Fachdatenbanken andockt. Dadurch wird Wissenstransfer nicht nur effizienter, sondern es eröffnen sich zusätzliche Wissensmöglichkeiten.

Wissensmanagement in den Life Sciences
In den interdisziplinär ausgerichteten Life Sciences wie Biologie, Chemie und Medizin und der noch jungen Disziplin Life Science Engineering, worunter z.B. Umwelt- und Medizintechnik fallen, ist Wissensmanagement geschäftskritisch, denn Wissen ist essentieller Bestandteil entsprechender Marktleistungen. Das gilt für Grundlagen- wie auch für Anwendungsforschung:
Biowissenschaftler z.B. fokussieren primär auf Grundlagenforschung. Um Ideen und Trends, die sich in ihrem spezifischen Forschungsfeld entwickeln, überhaupt identifizieren zu können, müssen sie sich regelmäßig einen möglichst vollständigen Überblick verschaffen, was aufwändig und zeitintensiv ist. Auch stärker anwendungsbezogene Forscher, etwa in der Pharmaindustrie, betreiben ständig Internet- und Literaturrecherchen, wobei sie in oft mühevoller Kleinarbeit aus der Informationsflut die Spreu vom Weizen trennen. Der klinisch tätige Arzt wiederum sucht in erster Linie Antworten auf Fragen, die sich unmittelbar bei der Ausübung seines Berufes stellen, etwa welche Diagnostik oder Therapie für den Patienten die beste ist. Allen gemein ist die Arbeitsgrundlage, nämlich aktuelle und qualitätsgesicherte Informationen, und dass diese zeitnah zum Informationsbedürfnis benötigt werden. Dazu verfügen Lebenswissenschaftler über spezifische Recherchezugänge wie kommerzielle Datenbanken. Die Datenbanken, die z.B. in PubMed verfügbar sind, stellen einen Datenpool dar, der abgeschlossene wie aktuell laufende Publikationen aus Medizin und Life Sciences nahezu vollständig dokumentiert.
Über diese Suchzugänge gelangt man früher oder später zwar zu durchaus passablen Näherungslösungen oder den gewünschten Suchergebnissen selbst. Doch ist Zeit eine kostbare Ressource; wird sie vergeudet, produziert das unnötige Kosten. Und Näherungslösungen sind genau genommen auch Zielverfehlungen. Das ist nicht nur berufsethisch bedenklich, sondern verträgt sich vor allem mit Gütemaßen wie Qualität, Precision und Recall nur schlecht.
Hier kommen semantische Suchlösungen ins Spiel, die den Wissenstransfer nicht nur erleichtern, sondern neue Wissensmöglichkeiten für anwendungs- und marktorientierte Forschung eröffnen.

Was ist semantisch am Semantic Web?
Semantische Suchlösungen verfolgen das Konzept, verschiedene Ressourcen wie Dokumente, Bilder und Personen semantisch zu verknüpfen. Das ermöglicht den Übergang vom gegenwärtigen Web mit seinen einfachen Hyperlinks zu einem semantisch angereicherten Web, in dem Beziehungen zwischen den verteilt gelagerten Ressourcen geknüpft werden, deren einzelne kontextuelle Bezüge bereits im gegenwärtigen Web angelegt sind.
Intelligente Suchmaschinen können diese Beziehungen mit Hilfe von semantischen und statistischen Prozeduren lesbar machen, wodurch sie den Textinhalt quasi automatisch verstehen. Dadurch schließen Suchergebnisse auch solche Dokumente mit ein, die den Suchterm nicht explizit enthalten, aber relevant sind. Eine Suche nach Begleitsymptomen von Migräne verwiese sowohl auf Lichtempfindlichkeit als auch auf verwandte Konzepte wie Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit. Dadurch lassen sich Suchanfragen auf wenige, hochrelevante Dokumente verdichten, die bei herkömmlichen Volltextsuchen umständlich in umfangreichen Ergebnislisten hätten identifiziert werden müssen.

Ein Tuning für PubMed?
Damit die Suche in PubMed eine semantische wird, muss dessen Datenbasis wie eben beschrieben semantisch aufbereitet werden. Dafür sorgt BioMedExperts und kombiniert dabei die automatisierte Analyse großer Textmengen mit schnellen und vielfältigen Zugriffsmöglichkeiten. Die technische Basis bildet die Collexis Fingerprint-Technologie, eine ontologie-basierte Indexierungs- und Retrievallösung, die eigens für Medizin und Life Sciences entwickelt wurde, mit alternativen Thesauri aber auch außerhalb der Life Sciences Anwendung findet. Diese Technik verwandelt wissenschaftliche Publikationen wie PubMed-Abstracts in so genannte Fingerprints, die die ontologie-basiert identifizierten Fachbegriffe und Bewertungsrelationen für jeden dieser Begriffe enthalten. Bei der Indexierung und in den Anwendungen kommen Dokumentationssprachen zum Einsatz, etwa die Medical Subject Headings (MeSH), ein Thesaurus zur Sacherschließung von Büchern und Zeitschriftenartikeln in Medizin und Biowissenschaften, und der weltweit größte Metathesaurus Unified Medical Language System (UMLS). Das BioMedExperts ist aber mehr als nur ein Tuning für PubMed, weil es Ergebnisse expliziert, die PubMed – obwohl es paradoxerweise die Datenbasis ist – nicht liefern kann.

Konzept-Recherche
Der klassische Rechercheeinstieg ist der themenbezogene, bei Migräne z.B. nach „Gesichtsfeldausfällen“ („Scotoma, Scintillating“). Anschließend können wie gewohnt die dazugehörigen Abstracts aus PubMed aufgerufen werden. Ein Mehrwert von BioMedExperts besteht in der übersichtlichen Anzeige aller biomedizinischen Konzepte, die in den Treffern vorkommen. Die Aktivierung des Reiters „Profiles“ lässt konzeptionelles Browsen auch innerhalb größter Textmengen zu, und zwar nach dem genormten Vokabular des MeSH-Thesaurus (z.B. „Disorders“, „Chemicals & Drugs“, „Procedures“, „Anatomy“, „Physiology“) sowie nach „Chemicals“ – ganz ohne Eingabe von Suchtermen, nur per Klick. Wird unter „Disorders“ z.B. der Suchbegriff „Aura“ aktiviert, öffnet sich ein neues Fenster, welches die Suche feiner spezifiziert. Bei einer herkömmlichen Benutzeroberfläche hätte der Nutzer seine Suchanfrage selbständig reformulieren und weitere Suchbegriffe umständlich händisch in die Suchmaske eingeben müssen, um in die Tiefe zu gehen. Das strukturierte Browsen spart also wertvolle Recherchezeit und damit Geld.

Expertenprofile und Trend-Mining
Wer hat mit wem und zu welcher Zeit weltweit zum Gegenstand der Recherche gearbeitet? Wer gilt als ausgewiesener Fachmann, wer taugt zum Key Note Speaker? Bei der Umwandlung der PubMed-Abstracts in Fingerprints werden im Nu Expertenprofile generiert, so dass sich abermals hochrelevante Veröffentlichungen und deren Autoren nach wenigen Klicks identifizieren lassen.
Welche Fachbegriffe werden zunehmend häufig im Kontext des Themas genannt? Der Bereich „Trends“ lässt das rasch erkennen. Die statistische Auswertung der MeSH-Konzepte ergibt z.B., dass die Botox-Therapie zunehmend in den Fokus der Migräne-Forschung gerückt ist. Über die einzelnen Reiter können anschließend die einschlägigen Publikationen, Experten etc. betrachtet werden. Die automatisierte Inhaltsanalyse nimmt dem Wissenschaftler also enorme Recherchearbeit ab.

Knowledge Discovery – Revolution per Knopfdruck
Das Feature „Knowledge Discovery“ dürfte vor allem die Forscher begeistern, weil es schon heute dabei hilft, Arbeitsgebiete von übermorgen zu identifizieren. Dort wird nämlich aufbereitet, welche Begriffe erstmals in einer Publikation zum Recherchesubjekt genannt werden und welche Fachbegriffe voraussichtlich mit dem Thema in Zukunft gemeinsame Relevanz entwickeln werden. Wer weiß, für die Migränetherapie könnte dies z.B. das einschlaffördernde und angstlösende „Wunderhormon“ Progesteron sein, was für Kliniker, vor allem aber für die Pharmaforschung interessant sein könnte.

Fazit
Mit ihren Möglichkeiten thematischer Verknüpfungen und der schlussfolgernden Suche nach impliziten Informationen helfen Semantic Web-Technologien, die Limitationen herkömmlicher Volltext- wie Datenbanksuchzugänge zu überwinden. BioMedExperts bietet Zugang zu qualitätsgesichertem und professionellem Know-how, indem es nicht nur alle Publikationen zu einem Themengebiet bereitstellt, sondern im Gegensatz zu herkömmlichen Datenbankrecherchen den Wissenstransfer durch vertikales Suchen vereinfacht und beschleunigt. Dabei lässt sich das Dashboard auch in anderen Bereichen als den Life Sciences einsetzen und kann zudem in Microsoft SharePoint Intranet-Lösungen integriert oder auf das „Web of Science“ aufgesetzt werden. Der sinkende Rechercheaufwand führt zu einem deutlichen Zeitgewinn und damit zu Einsparpotenzialen. Die Möglichkeiten der Trendanalyse, das Erkennen von Zukunftsthemen, die Identifikation von Experten – das ist Wissensvorsprung per Knopfdruck, der solche Informationsprofis überzeugen dürften, die an mehr als nur Dokumenten interessiert sind.

Freitag, 24. Juni 2011

Von Blankenfelde über Trier nach Südafrika. Julia Dannebaum berichtet aus dem Berufsleben einer Medizinischen Dokumentationsassistentin

Die Ausbildung zur Medizinischen Dokumentationsassistentin (MDA) hat Julia Dannebaum eine interessante Tätigkeit als Datenmanagerin ermöglicht. Anschließend hat sie studiert und durch ein Praktikum im Ausland weitere Erfahrungen gesammelt. Auch international ist der MDA durch seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ein gefragter Beruf.

Auf dem Weg nach oben. Julia Dannebaum auf Klettertour in den Drakensbergen, Südafrika. Foto: privat

Im Oktober 2004 zog Julia Dannebaum von Blankenfelde ins ferne Trier, um dort die zweijährige Ausbildung zur MDA an den Euro-Schulen Trier zu beginnen. Sie sagt: „Ich habe mich für die Ausbildung entschieden, weil ich immer in Richtung Medizin gehen wollte. Die Ausbildung ist interessant, vielfältig und bietet gute Zukunftsaussichten.“

Nach abgeschlossener Ausbildung arbeitete Julia Dannebaum zwei Jahre als Datenmanagerin im Koordinierungszentrum für Klinische Studien (KKS) der Charité zu Berlin, wo sie an der Durchführung von klinischen Studien beteiligt war. Anschließend entschied sie sich, Medizinische Dokumentation und Informatik an der Hochschule Ulm zu studieren.

Das dreimonatige Auslandspraktikum, Höhepunkt während ihres Studiums, führte Julia Dannebaum nach Südafrika. „An der Central University of Technology (CUT) in Bloemfontein entwickelte ich zusammen mit einem weiteren Studenten ein E-Learning Tool für Studenten“, berichtet sie. „Südafrika bietet unglaubliche Natur, nette Menschen, Abenteuer und eine persönliche Horizonterweiterung.“ Nach dem Studium möchte sie für ein halbes Jahr ins Ausland gehen und später einen berufsbegleitenden Master-Studiengang in Richtung Klinische Studien beginnen.


Was Julia Dannebaum am meisten an ihrem Beruf schätzt? „An dem Beruf schätze ich vor allem die Vielfältigkeit, denn man hat die Möglichkeit in vielen unterschiedlichen Bereichen zu arbeiten, wie z. B. in Krankenhäusern, Auftragsforschungsinstituten (CROs), in der Industrie und bei Krankenkassen. Man kann außerdem viele verschiedene Tätigkeiten in Richtung Biometrie, Pharmakovigilanz, Monitor und Kodierung ausüben“, antwortet sie. „Ich empfehle den Beruf der MDA auf jeden Fall weiter.“
Julia Dannebaum am Kap der guten Hoffnung, fast 10.000 km von ihrer Heimat bei Berlin entfernt. Foto: privat
Die Pressemitteilung wurde von Nora Bergert, Kurs MDA 12, im Rahmen des Moduls „Innerbetriebliche Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit“ bei Bettina Leuchtenberg, textschnittstelle | agentur für mediencontent & text, erstellt.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Aus für das Bremer Beluga College - Aus für ein innovatives Bildungskonzept

Im Fahrwasser der Insolvenz der Beluga-Gruppe findet auch ein innovatives Bildungskonzept sein jähes Ende. Dem Frontalunterricht des staatlichen Schulwesens setzte das erst 2009 ins Leben gerufene Beluga College in seiner privaten gymnasialen Oberstufe selbst organisiertes Lernen mit maritimem Profil entgegen. Bilingualität, Selbstkompetenzen, Lernprojekte, Team-Meetings mit Mitschülern und Lehrern - der Kontrast zum staatlichen Schulsystem hätte nicht stärker sein können. Aber auch die 80.000 Euro monatlich, mit denen der Bremer Reeder Niels Stolberg das in der Bremer Neustadt angesiedelte College finanziell unterstützt haben soll.

Nach der Pleite der Beluga-Reederei bleibt drei Dutzend Schüler nun nichts anderes übrig, als ihre Ausbildung nach den Ferien an anderen Schulen fortzusetzen, denn das Beluga College muss zum Ende des Schuljahres den Schulbetrieb einstellen. Es konnte kein neuer Träger gefunden werden, der die Finanzierung des College hätte übernehmen können, so die Schulleitung. 

Dienstag, 21. Juni 2011

[Infografik] Social Media Recruitment: Tipps zum Aufbau einer Arbeitgebermarke über Soziale Netzwerke

Schöne Infografik von Guru, die Personalrekrutierung im Web 2.0, d. h. mittels Sozialer Netzwerke veranschaulicht. Sie tut dies mit Hilfe des klassischen Dreischritts Implement - Identify - Engage.

Zunächst muss die Firma Präsenzen in diversen Sozialen Netzwerken einrichten. Das ist die Hardware oder Grundbedingung, um eine starke Arbeitgebermarke überhaupt aufbauen zu können (Implement). Guru empfehlen zusätzlich zur eigenen Seite (bzw. ggf. zum Corporate Blog) Facebook, Twitter, YouTube, LinkedIn und Flickr, für den deutschen Markt wäre sicherlich Xing zu nennen. 

Ist dies geschehen, beginnt die eigentliche Identifikation der Zielgruppe (=Identify). Wo tummeln sich denn die geeigneten Bewerber? Und lassen sich die Bewerber nochmals genauer unterscheiden? Denn das ist die Grundbedingung für zielgruppenspezifische Kommunikation. Seine Dienstleistungen und Produkte unspezifisch unter die breite Masse zu bringen war gestern. Heute geht es nur noch um Teilzielgruppen. Die Zielgruppenansprache ist im Recruiting bereits eine feste Orientierungsgröße. Auf Neudeutsch heißt das Targeted Recruitment Communication. Darunter versteht man maßgeschneiderte Kommunikation, also eine stärker individualisierte Form der Kommunikation, die auf Informationen über Merkmale der Zielgruppe basiert. Weil sie direkt auf die spezifischen Bedürfnisse des Individuums zugeschnitten ist, ist sie wirksamer als so genannte generische, also allgemeine Kommunikation.

Je mehr Informationen man über die vorgesehenen Empfänger der Mitteilung hat, desto besser ist man gerüstet, um Kommunikation so zu gestalten, das sie auf die spezifischen Bedürfnisse der Personen individuell ausgerichtet ist. Es geht aber nicht nur um Daten wie Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund, Bildungsgrad usw., die sich vergleichsweise einfach aus statistischen Daten erheben lassen, sondern auch um Lebenswelten, Lifestyle, Verhaltensmuster usw., kurz: um Einblicke in Lebenswelten. Denn auch diese beeinflussen die Einstellung zu einem Arbeitgeber. Targeted Recruitment Communication muss alle verfügbaren Informationen zu individuellen Bedürfnissen, Interessen und Anliegen nutzen, damit sie Botschaften und Kampagnen produzieren kann, die zu bestimmten Person passen, also hoch individualisiert sind.

Implement and Identify – die Zielgruppe mit ihrem Aufenthaltsort und die mit dem Netzwerk verbundenen Normen geben also vor, wo und damit auch wie die Diskussion zu erfolgen hat. Mitunter auch crossmedial, wobei eine umfassende Social Media Strategie auch 2011 sicherlich noch die Ausnahme sein dürfte. Allerdings gibt es einen Trend in Richtung Plattformkonvergenz der belegt, dass Kommunikation mittels Social Media ein höchst komplexes und zusammenhängendes System ist: Twitter verweist auf YouTube, Widgets ermöglichen einen Zugriff auf Facebook, RSS-Feeds verbinden die Benutzerschnittstelle mit dem Netz – und alles spielt sich zunehmend auf mobilen Endgeräten ab.

Hat man Zielgruppe und Aufenthaltsort ausfindig gemacht, geht es darum, Flagge zu zeigen (=Engage), d.h. mittels geeigneter Botschaften mit den anvisierten (Teil-)Zielgruppen in Kontakt zu treten. Das ist der schwierigste Part im Social Media Recruitment. Doch auch hier finden sich mittlerweile ganz gute Hinweise, etwa Raj Anands Recruiting with Social Media: Social Media's Impact on Recruitment and HR oder Jil Kristin Kupkas Die Bedeutung von Social Media für das Personalrecruiting: Eine empirische Analyse anhand von Facebook.

(Quelle: http://www.gurucareersnetwork.com/blog/social-media-recruitment/)

Sonntag, 19. Juni 2011

Preisausschreiben: Freikarte für die i-KNOW 2011 in Graz zu gewinnen!

Zur Zeit der Aufklärung gab es die Tradition akademischer Preisausschreiben. Königliche Akademien etwa formulierten Preisfragen, durch deren Beantwortung sich die Verantwortlichen die Klärung eines ökonomischen, politischen oder sozialen Problems erhofften. Die Preisausschreiben richteten sich an in- und ausländische Gelehrte. Dabei konnte man sich damals darauf verlassen, dass große Teile der „Gelehrtenrepublik“ sich kompetent wie engagiert einbringen würden. Denn beides, die Formulierung der Fragen wie auch die Beantwortung derselben, geschah ganz im Geiste eines aufgeklärten Wissenschaftsverständnisses: Von der Publikation der preisgekrönten Antworten erhofften sich Fragesteller wie Antwortgeber einen gesellschaftlichen Innovationsschub.


An diese Tradition möchte die schnittstelle:wissen gerne anknüpfen. Die Frage, um deren Beantwortung gebeten wird, ist diese:

Was heißt bedarfsgerechte Ausbildung unter den Bedingungen des demografischen Wandels? Welchen Herausforderungen müssen sich insbesondere Berufsfachschulen in diesem Kontext stellen?

Aus allen eingehenden Antworten wählt eine fachkundige Jury den Gewinner bzw. die Gewinnerin. Der Glückspilz erhält von der schnittstelle:wissen eine Freikarte für Europas führende Konferenz für Wissensmanagement und Wissenstechnologien: die i-Know, die vom 7. bis 9. September 2011 in der Messe Congress im österreichischen Graz stattfindet. Und ein Besuch lohnt sich, wie Sie hier nachlesen können.

Dank schnittstelle:wissen können Sie in diesem Jahr also dabei sein – und das umsonst. Nun, nicht ganz umsonst, denn vorher gilt es, obige Frage zu beantworten. Ob Sie dies mit einem kleinen Essay oder einer Aufzählung, einer Grafik oder einem Filmclip tun, bleibt Ihnen überlassen. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Auf Ihre Vorschläge ist schnittstelle:wissen mächtig gespannt. Bitte senden Sie sie an schnittstellewissen@gmx.de bis zum 17. Juli 2011. Alle Beiträge werden in diesem Blog veröffentlicht, was schnittstelle:wissen einerseits als Ergebnissicherung verstanden wissen möchte, andererseits als Beitrag zu demokratischer Wissens(ver)teilung.

Zusätzlich wird der Beitrag auch im xingKM-Newsletter erscheinen - und den bekommen immerhin 4500+ Abonnenten: danke, Herr Jäger, tolle Idee! 

Herzliche Grüße aus Trier
Ulrich Wirth

PS:
Der Preisgewinn beinhaltet eine Freikarte zur i-Know 2011, aber für Transfer, Kost und Logis müssen Sie selbst sorgen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Freitag, 17. Juni 2011

Medizintechnologie: Social Media wird die neue Kommunikationszentrale der Unternehmen

Die Unternehmen der Medizintechnologie sollten die Chancen sozialer Netzwerke nutzen und mehr in den Dialog mit Kunden und eine professionellere Kommunikationsarbeit investieren. Diese Meinung vertraten die Experten des 7. Kommunikationskongress Medizintechnologie von MedInform mit dem Titel „Kommunikation 2015: Wie Social Media und gesellschaftlicher Wandel die Unternehmenskommunikation verändern“ am 6. und 7. Juni 2011 in Leipzig. Die Veranstaltung präsentierte Fallstudien zu Social Media und neuen Kommunikationswegen in der MedTech-Branche. Fazit: „Soziale Netzwerke sind die Kommunikationszentralen der Zukunft. Durch Social Media werden Zielgruppen zu Akteuren. Aufgabe der Unternehmen ist es, den Dialog im Netz zu beginnen, den Kunden wie Ärzten, Pflegekräften und Patient zuzuhören und den Dialog zu moderieren und zu gestalten, beispielsweise über Facebook, Twitter oder Wissensforen. Die Social Media-Aktivitäten müssen dabei strategisch angegangen und entsprechende Ressourcen bereitgestellt werden.

Social Media sei für die MedTech-Unternehmen von zunehmender Bedeutung, da auch die Zielgruppen der Unternehmen wie Ärzte und Patienten in sozialen Netzwerken aktiv sind und dort bereits über Produkte diskutieren, so Online-Berater Ralf-Thomas Hillebrand. Gerade für kleine Unternehmen der Medizintechnologie bieten sich beispielsweise bei internationalen Produkteinführungen große Chancen durch soziale Netzwerke, „aber nicht ohne Strategie“, so Franziska Preissing von Novalung. Die Betonung einer Social Media-Strategie und klarer Anweisungen für die Mitarbeiter betonte auch Heiko Leske vom Universitätsklinikum Leipzig. Ziel der Social Media-Maßnahmen der Unternehmen müsse es sein, kundenorientiert zu kommunizieren und dem Unternehmen ein Gesicht zu geben, sagte Rüdiger Hacke von medi. Dass Facebook auch ein wichtiger Bestandteil beim Aufbau einer Arbeitgebermarke im Sinne eines „Employer Branding“ sein kann, zeigte Dr. Holger Storcks von Medtronic. Er sprach von einer Verlagerung von traditionellem Personalmarketing zu Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Das Web 2.0 kann auch beim Thema Wissensmanagement genutzt werden, um hilfreiche und zeitgemäße Arbeitswerkzeuge beispielsweise für Mediziner anzubieten, zeigte Vera Schormann von B. Braun anhand des Portals „medperts“.

Online-Kommunikationsberater Ralf-Thomas Hillebrand, Geschäftsführer und Inhaber von „Politik & Internet“ in Berlin, präsentierte vier verschiedene Social Media-Strategien für MedTech-Unternehmen. Die Ausgangslage: die Zielgruppen der Unternehmen wie Ärzte und Patienten(gruppen) sind in sozialen Netzwerken aktiv und diskutieren dort bereits über Medizinprodukte und deren Nutzen. Die erste Strategie müsse daher „Social Media Listening“ sein, das systematische Monitoring von sozialen Netzwerken. Die zweite Strategie „Social Media Broadcasting“ bedeutet, dass alle Unternehmensbotschaften auch in den sozialen Netzwerken verfügbar sein müssten. „Ansonsten verliert man mit dem fortschreitenden Medienwandel Kontakte“, so Hillebrand. Dazu gehöre auch, dass man die eigene Webseite social-media-fähig machen müsse. Neue Zielgruppen erreicht man mit der Strategie des „Social Media Expanding“. Dies funktioniere aber nur über entsprechend neue und spannende Inhalte, die sich im Netz von selbst verbreiten können. Ein zusätzlicher Nutzwert könne beispielsweise über eine Art „Pressespiegel“ zu einer bestimmten Technologie auf einer Facebook-Seite angeboten werden. Auch könne man Zielgruppen die Möglichkeit zum Austausch untereinander geben. Die anspruchsvollste Strategie ist „Social Media Conversating“. Trete das Unternehmen in sozialen Netzwerken in den Dialog, erwarte der Kunde auch ein Gespräch auf Augenhöhe. Kommunikation bei Twitter und Facebook müsse daher umfassend moderiert und begleitet werden, so der Online-Experte.

Wie soziale Netzwerke in einem kleinen Unternehmen der Medizintechnologie genutzt werden konnten zeigte Franziska Preissing, Head of Marketing bei Novalung in Heilbronn. Das junge Unternehmen entwickelt seit 2003 künstliche Lungen. Novalung nutzt die Chancen zum Dialog und zur kostengünstigen Echtzeitkommunikation, die soziale Netzwerke bieten, „aber nicht ohne Strategie“, so Preissing. Zunächst wurden Ziele und Zielgruppen definiert und festgelegt, wer sich wo um was kümmert. Den Twitter-Kanal folgen derzeit 27 Personen und Organisationen überwiegend aus der Fachwelt. Die 115 Besucher des Twitter-Accounts sind „wenig aber wertvoll“, so Preissing. Die Facebook-Seite gefällt 214 Personen, die über Produktneuheiten, Veranstaltungen und neue Literatur informiert werden. Auch auf XING und YouTube ist Novalung präsent. Auf Wikipedia werden Fachthemen erstellt und bearbeitet, beispielsweise zu Beatmungsgeräten. Auf der Webseite bietet das Unternehmen einen umfangreichen Pressebereich an und arbeitet mit „Social Bookmarks“. Preissings Fazit: „Wir erreichen neue Besucher und damit potentielle Kunden. Die Besuchszeiten auf der Webseite verlängern sich drastisch. Insgesamt sind die sozialen Netzwerke insbesondere zur Vorbereitung der internationalen Markteinführungen neuer Produkte geeignet.“

Rüdiger Hacke, Leiter Marketing Medical Deutschland bei medi in Bayreuth, stellte neue Wege in der Markenkommunikation vor. Das Familienunternehmen medi stellt Produkte mit Kompression her, beispielsweise Kompressionsstrümpfe. Die Produkte „dienen der Gesundheit, fördern das Wohlbefinden und steigern die Leistung im Sport“, so das Credo des Unternehmens. Neue Wege ging das Unternehmen beispielsweise im Herbst 2009 durch die Zusammenarbeit mit dem Designer Wolfgang Joop, der elegante und modische Kompressionsstrümpfe unter der Dachmarke „mediven elegance“ entwickelte. Das Trendthema „Kompression“ wurde auch durch die Unterstützung der Vierschanzentournee und weiterer Sportevents und Sportler gefördert. In der Kommunikation entstehe dabei im Internet „eine neue Wirklichkeit zwischen Anbietern und Kunden“, so Hacke: „chaotisch, unübersichtlich, hektisch, voller Leben, voller Neuigkeiten, immer auf Augenhöhe“. Ziel der Social Media-Maßnahmen des Unternehmens sei es, kundenorientiert zu kommunizieren und dem Unternehmen ein Gesicht zu geben. So sei medi auf Facebook jeden Montag mit einer Aktion präsent. Für iPhone und iPad gebe es ganz neu das Spiel „medi socks“ nach dem Motto „Unterhaltung statt Informationsflut – medi mit in den Feierabend nehmen“.

Aufbau und Kommunikation einer Arbeitgebermarke im Sinne eines „Employer Branding“ stellte Dr. Holger Storcks, Leiter Marketing Communication bei Medtronic Deutschland, vor. Sein Unternehmen habe eine hohe Arbeitnehmerzufriedenheit, sei außerhalb der Branche aber nur wenig bekannt gewesen und habe als Arbeitgebermarke ein diffuses Image gehabt. Ziel war die „Profilierung der Marke Medtronic als Employer Brand“. Dazu wurde eine Positionierung erarbeitet, junge Zielgruppen systematisch angesprochen sowie moderne und zielgruppengerechte Kommunikationskanäle integriert. Dies alles geschah mit einer einfachen, emotionalen, modernen und authentischen Sprache. Für die Kampagne „Werde Medtronaut. Mach Dir das Leben zur Aufgabe“, die im November 2010 zunächst intern startete, wurden echte Mitarbeiter als Fotomodelle genommen. Der Kommunikationsmix bestand aus Stellen- und Imageanzeigen, einer Broschüre, Roll-ups und Give aways, aber auch Onlinemedien wie einer Landingpage (www.der-job-fuers-leben.de), Web-Banner, Online-Anzeigen, Videos und Social Media-Aktivitäten. Die neue Facebook-Seite, die am 8. April 2011 startete, hat derzeit rund 240 Fans und verzeichnete bereits über 30.000 Seitenaufrufe. Storcks Fazit: „Employer Brand stärkt die Dachmarke und hat eine positive Imagewirkung - extern und intern. Insgesamt gibt es eine Verlagerung von traditionellem Personalmarketing zu Aktivitäten im Bereich Web 2.0“.

Ein Fallbeispiel aus dem Wissensmanagement und für ein zielgruppenorientiertes Online-Projekt im Gesundheitsmarkt präsentierte Vera Schormann, Head of Corporate Knowledge Management bei B. Braun Melsungen. Ende März 2011 ging „medperts“ als Portal für Chirurgen, Anästhesisten und Intensivmediziner an den Start. Der Log-In ist nur für Ärzte möglich. Medperts bietet gebündelte Recherchemöglichkeiten, aktuelle Themen zugeschnitten auf das fachliche Interesse der Zielgruppen sowie die Möglichkeit zum Kontakt und Austausch mit Kollegen. Die Fachrecherche bietet Zugriff auf mehrere Quellen und auf Volltexte aus verschiedenen Datenbanken. Aktuelle Themen und Entwicklungen werden von einer Fachredaktion zusammengefasst und bereitgestellt. Ein Veranstaltungskalender bietet eine Übersicht zu Kongressen und Fortbildungen. Außerdem können auf der Plattform Kollegen gefunden und Ideen ausgetauscht werden. Dabei gibt es geschlossene und offene Fachgruppen, die von einem Moderator geführt werden. Das Fazit von Schormann zu dem Projekt: „Wissensmanagement in Kombination mit Web 2.0-Fuktionen führt zu einem hilfreichen und zeitgemäßen Arbeitswerkzeug für Mediziner“.

Der direkte Dialog mit der Gesellschaft zum Thema Mensch und Mobilität steht im Vordergrund der Unternehmenskommunkation der Otto Bock HealthCare. Dirk Artmann, Leiter Unternehmenskommunikation und Unternehmenssprecher, leitete aus dem Unternehmensleitbild die Grundlagen für diese Strategie ab. Mit konkreten Beispielen wie dem Otto Bock Science Center für Medizintechnik in Berlin oder dem paralympischen Engagement des Unternehmens zeigte er auf, wie nachhaltig Reputation aufgebaut wird. „Authentizität und Glaubwürdigkeit in der Wahrnehmung, bildet die Basis für unsere wertschöpfenden Dialoge mit unterschiedlichsten Zielgruppen vom Arzt bis zum Produktnutzer. Dabei müssen wir uns nicht verbiegen, sondern schärfen unsere aus einer langen Tradition des Familienunternehmens heraus geprägten Werte“, betonte Artmann eine nachhaltige Ausrichtung der Kommunikation. Er sieht in dem intensiven Dialog mit der Gesellschaft eine automatische Integration von Inhalten des Unternehmens in soziale Kommunikationsnetzwerke. Erste Versuche des Unternehmens mit Facebook oder Twitter wurden bereits gestartet.

Einen Blick auf die Krankenhauskommunikation im Web 2.0-Zeitalter warf Heiko Leske, Leiter der Unternehmenskommunikation des Universitätsklinikums Leipzig. Viele Häuser seien noch nicht in der neuen Zeit angekommen, in vielen Klinika seien Facebook, Twitter und Freemailer gesperrt. „Die Kliniken müssen akzeptieren, dass es die Online-Welt gibt. Sie müssen lernen, nach welchen Regeln die Online-Welt funktioniert und dementsprechend agieren“, so Leske. Die Krankenhäuser bräuchten eine Social Media-Strategie, ein systematisches Monitoring, ein Netzwerk von affinen Nutzern im Unternehmen und ein aktives, schnelles und effektives Beschwerdemanagement. Wichtig sei auch, die internen Informationsketten zu organisieren und selbst in Social Media vertreten zu sein, beispielsweise über eine eigene Facebook-Seite und einen Twitter-Account. Leske empfahl, auch ein internes Netzwerk zur Informationsbeschaffung aufzubauen – Wer hat Infos zu verschiedenen Themenbereichen? wer ist wann erreichbar – und die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Vor Social Media-Aktivitäten sollte geklärt werden, welche Regeln für die Mitarbeiter gelten und welche Befugnisse die Social Media-Verantwortlichen haben. „Die Teilnahme bedeutet dabei immer auch die Abgabe von Kontrolle“, so Leske. Er gab auch Beispiele für die gemeinsame Kommunikation medizintechnischer Themen mit Unternehmen. Hindernisse seien hier die unterschiedliche Ressourcen-Verfügbarkeit sowie das Neutralitätsgebot der Kliniken.

Rechtsanwalt Marc L. Holtorf, Partner bei Clifford Chance in Düsseldorf, gab einen Überblick der rechtlichen Rahmenbedingungen für Kommunikation und Werbung mit Medizinprodukten in sozialen Netzwerken. Seine Botschaft: „Für Social Media gelten im Großen und Ganzen die gleichen Rahmenbedingungen und Freiräume wie für traditionelle Werbemaßnahmen. Social Media sind also keine rechtsfreien Räume.“ Zu beachten sind dabei vielfältige rechtliche Anforderungen, insbesondere aus dem Datenschutz, den (Tele)Mediengesetzen, den Werbevorschriften und dem Urheber- sowie dem Markenrecht. Beim besonders wichtigen Thema Datenschutz gilt ein einfaches rechtliches Prinzip: Im Hinblick auf personenbezogene Daten ist alles verboten, es sei denn, ein Gesetz gestattet es ausdrücklich oder es liegt eine wirksame Einwilligung vor. „Getarnte Werbung“ ist auch in sozialen Netzwerken rechtlich fragwürdig. Im Zweifel sollte immer mit offenen Karten gespielt werden, empfiehlt Holtorf. Vorsicht sei auch bei Chatrooms, Blogs und Foren geboten. Hier sollte es klare Nutzungsbedingungen geben. Holtorf's Fazit lautet: „Social Media eröffnen Werbetreibenden trotz einiger rechtlicher Fallstricke viele Möglichkeiten.“

(Quelle: PM 50/11 vom 8. Juni 2011, BVMed)

Mittwoch, 15. Juni 2011

Medienarchivare und Mediendokumentare sprechen sich klar für den Erhalt des Studiengangs Information und Dokumentation aus

Jüngst haben sich auch der Verband Deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) und der Verein für Medieninformation und -dokumentation (vfm) für den Erhalt des Studiengangs Information und Dokumentation an der FH Potsdam ausgesprochen. Der Ton ist durchaus deutlich, wenn z. B. von einer "massiven Abwertung" der Fachausbildungen gesprochen wird. 

Die Medienarchivare und Mediendokumentare haben aber enen weiteren Aspekt mit ins Spiel gebracht und vorsorglich schon einmal vor einer Schließung des Instituts für Information und Dokumentation (IID) gewarnt, einer an der Fachhochschule angesiedelten Ausbildungsstätte für Wissenschaftliche Dokumentare.

Hier der Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Rektor, sehr geehrter Herr Dekan, 

mehreren Presseveröffentlichungen und Berichten von betroffenen Hochschullehrern und Studierenden entnehmen wir, dass der Studiengang Information und Dokumentation des Fachbereichs Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam aufgelöst und dessen Studieninhalte, Studierende und Lehrende auf andere Studiengänge verteilt werden sollen.

Seit vielen Jahren rekrutieren die deutschen Medienunternehmen Nachwuchskräfte des Studiengangs Information und Dokumentation des Fachbereichs Informationswissenschaften der FH Potsdam für ihr Archive und Dokumentationseinrichtungen. Diese Ausbildung und die berufsbegleitende Fortbildung von Medienarchivaren und Mediendokumentaren, für die Verlage wie Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik seit vielen Jahren Praktikanten- und Volontärsplätze bereit stellen, war und ist neben anderen Ausbildungsgängen eine essentiell wichtige Basis zur Gewinnung von fachlich fundiert ausgebildetem Personal. Archiv- bzw. bibliothekswissenschaftliche Ausbildungsgänge können diesen spezifisch dokumentationsfachlichen Qualifikationsbedarf nicht abdecken.

Ein weiterer Aspekt erfüllt uns mit großer Sorge: Das in den Fachbereich Informationswissenschaften integrierte Institut für Information und Dokumentation (IID) für berufsbegleitende Forschung mit dem staatlich anerkannten Abschluss Wissenschaftliche/r Dokumentar/in/Information Specialist scheint in seiner Existenz ebenfalls gefährdet und ist möglicherweise von der Auflösung des Studienganges Information und Dokumentation mit betroffen. Über ganze Generationen sind im IID und früher in dessen Vorläufer, dem von der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation getragenen Lehrinstitut für Information und Dokumentation (LID), Medienarchivare und -dokumentare aus- und berufsbegleitend weitergebildet worden. Damit hat sich das IID bis auf den heutigen Tag als eine wichtige Weitebildungseinrichtung für die deutschen Medienunternehmen profiliert. Ein Wegfall dieses Instituts wäre daher ein außerordentlicher, kaum zu kompensierender Verlust.

Wir, die Medienarchivare im Verband Deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) und der Verein für Medieninformation und -dokumentation (vfm), vertreten die Medienarchivare und Mediendokumentare und sind als berufsständische Organisationen natürlich an einer Sicherung und Kontinuität der Ausbildung von Fachpersonal außerordentlich interessiert.

Die vorgesehenen und offensichtlich bereits eingeleiteten Maßnahmen beunruhigen uns daher in höchstem Maße. Wir protestieren nachdrücklich dagegen, dass hier – und unseres Erachtens ohne Not – eine seit Jahren bewährte Fachausbildung und die berufsbegleitende Fortbildung von Medienarchivaren und Mediendokumentaren durch Veränderungen verlagert und damit wohl massiv abgewertet wird. Die zu hörenden Behauptungen, dass die Absolventen keine beruflichen Zukunftschancen hätten, sind aus der Luft gegriffen und in keiner Weise zutreffend. Und so sind, wie wir erfahren konnten, auch Arbietgeber über diese Entwicklung in hohem Maße irritiert. 

Wir bitten die für die Fachbereiche und deren Ausbildungsgänge zuständigen Gremien der Fachhochschule Potsdam, diese Entscheidungen, so sie denn getroffen worden sind oder werden sollen, zu revidieren.

Für den VdA: Dr. Heiner Schmitt – für den vfm: Günter Peters"

Dienstag, 14. Juni 2011

Suchmaschinenoptimierung für Blogs

Auch ältere Blogbeiträge sorgen noch nach Jahren für monatlich drei- bis vierstellige Zugriffsraten
Von solchen Zugriffsraten wie den oben gezeigten kann mein Blog nur träumen. Okay, ich betreibe "schnittstelle:wissen" erst seit Januar 2011 und das Profil dieses Blogs bewegt sich zugegebenermaßen irgendwo zwischen sehr speziell und eklektizistisch. Dennoch bin ich bin immer wieder erstaunt über die Zugriffsraten, etwa nachdem ich mittels Tweet auf einen Blogbeitrag hingewiesen habe. Das ist jedoch Search Engine Optimizing 1.0, wie ich in einer sehr empfehlenswerten Zusammenstellung zum Thema Suchmaschinenoptimierung speziell für Blogs unlängst gelesen habe.

Blogbeiträge bieten nämlich eine Chance, die herkömmliche Websites nicht bieten, so Rich Brooks: Suchmaschinen behandeln jeden Blogbeitrag als eigene Webpage. Wenn Blogbeiträge also nach allen Regeln des SEO optimiert sind,  werden sie besser gefunden und das kann je nach Ausrichtung des Blogs durchaus geschäftsfördernd sein, etwa wenn es sich um ein Corporate Blog handelt. Ergo bietet jeder Blogbeitrag die Möglichkeit, ganz speziell auf eine bestimmte Wordkombination getunt zu werden. Wie das geht, lesen Sie hier. Wirklich lesenswert.

Mich hat der Beitrag darüber hinaus auf den Gedanken gebracht, dass in der Regel ja keine professionell ausgebildeten Rechercheure recherchieren, die von Verschlagwortung, Synonymen und Boole'schem Retrieval Ahnung haben, sondern Laien. Was ich damit meine, zeigt dieser Screenshot, den ich eben aufgenommen habe:

Suchbegriffe (14. Juni 2011)
Mindestens drei dieser Suchanfragen sind weniger professionell gestellt als mehr so aus der Hüfte geschossen: "gesundheits social plattform" (Genitiv-S, darüber hinaus deutsch-englischer Mischmasch), "arbeits modell" (Genitiv-S sowie Getrenntschreibung) und "dokumentations organisation" (dito). Wie müsste demnach die "quick & dirty-SEO" aussehen, damit Blogbeiträge auch für Keyword-Kombinationen von Usern optimiert werden, deren Suchanfragen in puncto Ausdrucksfähigkeit und Kommunikationskompetenz weniger überzeugen?

Montag, 13. Juni 2011

Als hätte die Medienrevolution ihr jüngstes Kind gefressen: Information und Dokumentation an der FH Potsdam

Nun hat sich auch der amtierende Dekan des Fachbereichs Informationswissenschaften der FH Potsdam, Prof. Dr. Günther Neher, in einer Pressemitteilung zur Schließung des Studiengangs  "Information und Dokumentation" geäußert (die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) e.V. lesen sie hier):

"Der Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam denkt nach erfolgreicher Akkreditierung seiner  Bachelor- und Master-Studiengänge bereits jetzt  über die langfristige inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung und die weitere berufsfeldorientierte Profilierung seines Studienangebotes nach. 
Derzeit werden am Fachbereich Informationswissenschaften die drei grundständigen Bachelorstudiengänge Archiv, Bibliotheksmanagement und Information und Dokumentation - sowie seit dem Sommersemester 2011 der konsekutive integrative Master Informationswissenschaften mit den beiden Profilierungslinien „Records Management und Digitale Archivierung“ sowie „Wissenstransfer und Projektkoordination“ angeboten. Zusätzlich ist der Fachbereich sehr erfolgreich auf dem Gebiet der berufsbegleitenden Weiterbildung aktiv: Für Absolvent/innen mit einem fachspezifischen Hochschulabschluss - in der Regel in den Geisteswissenschaften – wird ein nicht-konsekutiver berufsbegleitender Weiterbildungs-Masterstudiengang Archivwissenschaft angeboten. Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste u. a. Interessierte haben die Möglichkeit, sich in einem 4-jährigen Weiterbildungskurs in den Bereichen Archiv oder Bibliothek für den Bachelorabschluss zu qualifizieren, und am seit 2009 zum Fachbereich gehörigen traditionsreichen Institut für Information und Dokumentation (IID) wird  eine zweijährige Fortbildung zum Wissenschaftlichen Dokumentar/in angeboten, mit Nachfrage vor allem aus dem Bereich der Medienanstalten.

Dieser umfangreiche Ausbau des Studienangebotes wurde dadurch ermöglicht, dass  - beginnend mit dem Jahr 2004 - der Fachbereich Informationswissenschaften im Rahmen des Brandenburgischen Studienplatzerweiterungsprogramms (sog. „Überlastprogramm“) zusätzlich drei zunächst zeitlich befristete Professuren hinzugewinnen konnte, verbunden mit einer mittlerweile nahezu verdoppelten Studierendenzahl. 

Die im Rahmen des Studienplatzerweiterungsprogramms neu geschaffenen Professuren („Webtechnologie und Semantic Web-Anwendungen“, „Content Management und Dokumentenmanagement“, „Metadaten und Standards“) wurden – konsequent im Sinne des „Potsdamer Modells“ - dazu genutzt, um das Lehrangebot des Fachbereichs in zukunftsgerichteten Themenfeldern  mit stark integrativem Charakter zu stärken bzw. überhaupt erst aufzubauen. Diese thematische Ausrichtung hat sich aus heutiger Sicht als sehr sinnvoll erwiesen: Kompetenzen in diesen Themenfeldern werden zunehmend stark nachgefragt und dies insbesondere gerade auch unter dem integrativen Aspekt, d.h. über die Grenzen der klassischen Berufsfelder Archiv/Bibliothek/Information und Dokumentation hinweg.


Die vom Fachbereich aktuell diskutierte und geplante Umstrukturierung beinhaltet den Übergang von einer relativ starren Studiengangstruktur hin zu einem flexibleren Modell der Profilierungslinien und will damit den Prozess der fortschreitenden Integration und Interdisziplinarität der Berufsfelder A, B und IuD konsequent in der Ausbildung aufgreifen. Der Fachbereichsrat hat sich nach durchaus kontrovers geführter Diskussion unter Abwägung vieler Gesichtspunkte für ein Studiengangmodell entschieden, welches bei gleichbleibender Studierendenzahl zunächst die Inhalte der Studiengänge Archiv und Information und Dokumentation einerseits und die Inhalte der Studiengänge Bibliotheksmanagement und Information und Dokumentation andererseits zu je einem neuen Studiengang integriert. (Hervorhebung durch mich, U.W.)  Als frühestmöglicher Zeitpunkt für die Realisierung eines entsprechend umstrukturierten Studienangebots wird das Wintersemester 2012/2013 angestrebt. 

Die präzise curriculare Ausgestaltung liegt zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht fest und wird in engem Austausch mit den betroffenen Berufsfeldern erfolgen. Fest steht nach dem geplanten Modell,  dass es innerhalb der verbleibenden Studiengänge unterschiedliche Profillinien in Form eines stark erweiterten Wahlpflichtangebots geben wird, insbesondere auch solche mit dokumentarisch-informationstechnologischem Fokus (Hervorhebung durch mich, U.W.) , so dass die Studierenden entsprechend ihrer Interessenslage stärker als bisher selbst eine individuelle Schwerpunktsetzung vornehmen können. Diese dann neue Form der Flexibilität in der Gestaltung des eigenen Studiums kommt nach den Erfahrungen der letzten Jahre den Interessen der (durchaus heterogenen) Studierendenschaft entgegen.


Es soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass der etwa ein Jahr zurückliegende Beginn der aktuellen Diskussion um inhaltliche Profilierung und strukturelle Veränderungen, auch mit der Planungsunsicherheit von Seiten der brandenburgischen Hochschulpolitik in Zusammenhang steht. Trotz unverändert hoher Bewerberzahlen ist nicht sichergestellt, dass die Finanzierung der im Rahmen des Studienplatzerweiterungsprogramms geschaffenen Professorenstellen über das Jahr 2013 hinaus fortgeführt wird. Der Fachbereich sieht sich daher in der konkreten Verantwortung und Pflicht, durch inhaltliche Fokussierung und strukturelle Maßnahmen auf diese Planungsunsicherheit zu reagieren, um nicht Gefahr zu laufen, für Absolventen und Berufsfeld mittlerweile zentrale und vom Fachbereich gut besetzte Themenfelder zu verlieren. Unstrittig unter allen Beteiligten ist, dass die Vermittlung dokumentarischer Kernkompetenzen auch zukünftig integrativer Bestandteil der informationswissenschaftlichen Ausbildung an der Fachhochschule Potsdam sein wird. (Hervorhebung durch mich, U.W.)
Der Fachbereich Informationswissenschaften ist zuversichtlich, dass Potsdam auch in Zukunft seinem Ruf als ein innovativer und in die Berufswelt sehr gut integrierter Standort für die Informationswissenschaften gerecht werden wird.
Im Namen des Fachbereichs Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam

Prof. Dr.  Günther Neher (amtierender Dekan)"

Information und Dokumentation wird also zum Wahlpflichtmodul degradiert, welches die Studierenden der Studiengänge Archivwissenschaft bzw. Bibliothekswissenschaft belegen können, wenn sie wollen. Oder auch nicht. Damit verliert die Information und Dokumentation - zumindest in Potsdam - ihre Eigenständigkeit. Mir kommt das ein bisschen so vor, als hätte die Medienrevolution ihr jüngstes Kind gefressen. 

PS:
Dieses Statement hat mir heute die Erwähnung als "wackerer Streiter" eingebracht. Danke, Herr Bredemeier, freut mich :)

Freitag, 10. Juni 2011

Patient Empowerment nun auch in Luxemburg. „Journée Santé“ fokussiert auf die Rechte und Interessen von Patienten


Neben der Frage, welche Rechte Patienten heute und zukünftig in Luxemburg und in der Europäischen Union haben, liegt das Hauptaugenmerk der diesjährigen sechsten nationalen Gesundheitskonferenz am 15. Juni 2011 in Mondorf-les-Bains auf dem Bereich „patient empowerment“.

„Ziel von empowerment ist, das Bewusstsein und die Fähigkeiten des Patienten dafür zu stärken, wie er aktiv seine Gesundheitslage besser meistern kann. Für uns in Luxemburg stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie unser System dazu beitragen kann, dass Patienten als Akteure partizipativ bei Entscheidungen nicht nur zu individuellen Gesundheitsbelangen, sondern auch zu kollektiven Fragen über die Patientenorganisationen idealerweise eingebunden werden können“, erläutert Françoise Berthet, Ärztin bei der Direction de la santé, die Zielrichtung der Konferenz.

Die Gesundheitswissenschaftlerin Isabelle Aujoulat referiert unter dem Motto „Patient Empowerment – meistern statt aufgeben“ über die Rolle des informierten und aktiv die Gesundheitssituation gestaltenden Patienten. Die Wissenschaftlerin kommt von der belgischen Schnittstellen-Organisation zu Praxis und Forschung in der Gesundheitspsychologie (Interface Pratique et Recherche en Psychologie de la Santé, I.P.R.P.S.). Als Mitglied der Forschungs- und Lehreinheit für Gesundheitserziehung an der katholischen Universität von Louvain in Brüssel ist sie spezialisiert auf die informierte Einbeziehung (empowerment) von chronisch kranken Patienten in ihr Krankheitsgeschehen. Dabei interessiert sie sich in ihrer Forschungs- und Lehrarbeit für die psychosozialen Determinanten von Gesundheit sowie die besonderen Erfordernisse in der Erziehung und Entwicklung chronisch kranker Kinder.

Impulse für die luxemburgischen Selbsthilfeorganisationen erhoffen sich die Organisatoren der Konferenz von der Einladung an Yann Le Cam. Le Cam engagiert sich seit 20 Jahren bei der Wahrnehmung von Patienteninteressen im Bereich von NGOs in Frankreich, Europa und den Vereinigten Staaten. Unter anderem zählte er 1997 zu den Gründungsmitgliedern der internationalen Patientenvertretung EURORDIS und vertritt sie seit 2001 als Generaldirektor. EURORDIS sind mehr als 469 Patientenorganisationen seltener Krankheiten aus 45 Ländern angeschlossen. Sein Vortrag zum Thema „Auf dem Weg zu einer Vereinigung von Patientenorganisationen“ liefert den Input für die sich anschließende Gesprächsrunde von Repräsentanten luxemburgischer Selbsthilfeorganisationen, an der er auch teilnehmen und seine vielfältigen Erfahrungen einbringen wird.

Die Vorträge finden in französischer Sprache statt.

Das deutsche Medizincontrolling wird mobil: Deutsche Kodierrichtlinien erstmals als „App“ für Android veröffentlicht

Die Medcontroller GmbH aus Hannover präsentiert sich im Markt mit einem Aufsehen erregenden Erstling: Die kompletten Kodierrichtlinien 2011 vom InEK als Download für Mobiltelefone. Das Applet wird kostenlos angeboten und funktioniert auf Smartphones mit dem Android Betriebssystem. Es erlaubt sowohl das gezielte Ansteuern von Kapiteln, als auch die sekundenschnelle Textsuche im gesamten Buch. Besonders wichtige Seiten können durch elektronische Lesezeichen schnell wiedergefunden werden. Das App findet man im „Android-Market“ (market.android.com), Suchwort „Medcontroller“.

Viele Menschen haben beruflich mit der Leistungsabrechnung von Krankenhäusern, und damit mit den Deutschen Kodierrichtlinien zu tun. Diejenigen, die regelmäßig die eine oder andere Regelung nachschlagen müssen, kennen das Problem: Die DKR sind nur als Buch oder als Datei verfügbar.
Ab sofort gibt es aber die praktische Möglichkeit, das Buch im Telefon immer dabei zu haben. Die Funktionalitäten des kleinen Programms bilden die typische Nutzungsweise eines Buches (über Inhaltsverzeichnis suchen, Lesezeichen einkleben) genau ab. Darüber hinaus gibt es neue Möglichkeiten, wie die Volltextsuche im gesamten Buch.

Die Medcontroller GmbH hat im Januar 2011 vom InEK die Erlaubnis zur Publikation der DKR bekommen. Als erste einer Reihe geplanter Publikationen zum Thema DRG, Abrechnung von Krankenhausleistungen und MDK-Fallprüfungen wurden jetzt die DKR als App herausgegeben. Der Bezug ist kostenlos; damit will die Gesellschaft sich erstmals einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Noch im laufenden Jahr wird eine umfassende Webplattform veröffentlicht, die viele Informationen überwiegend kostenlos bereitstellen wird. Dabei wird sich die Website insbesondere an die Krankenhäuser richten. Zu denken ist dabei an die Regelwerke des DRG-Systems, an Ge-richtsurteile mit Bezug zum Krankenhausleistungsrecht, an Informationen über die effektive Organisation eines MDK-Managements, bis hin zu einer Datenbank mit Artikeln zu speziellen Fragen der Kodierung und Abrechnung.

Als Plattform für die aktuelle Veröffentlichung wurde das kostenlose und quelloffene Betriebssystem „Android“ von Google gewählt. Dieses populäre Betriebssystem für Mobiltelefone und Tablet-PCs hat schon 2011 mit 38,5% den größten Marktanteil unter den Smartphones. Für das Jahr 2015 wird sogar ein Marktanteil von knapp 50% erwartet (Quellen: Gartner April 2011 – www.gartner.com, Canalys research release 2011/013 – www.canalys.com). Die Verbreitung von Smartphones gegenüber „herkömmlichen“ Mobiltelefonen wird in den kommenden Jahren dramatisch zunehmen: 2010 war jedes zweite verkaufte Handy ein Smartphone, Tendenz stark steigend (Quelle: The Nielsen Company, November 2010 – adult smartphone consumers). Das Ziel, das App kostenlos zur Verfügung zu stellen, ließ sich mit dem entwicklerfreundlichen Android umsetzen. In Zukunft wird natürlich für kommende Versionen der Kodierrichtlinien ein entsprechendes App angeboten.

Die Medcontroller GmbH ist schon seit Jahren aktiv im Krankenhausmarkt. Sie ist unter anderem Urheberin des „Online Training“, ein internetgestütztes Unterrichtssystem für Kodierung und Dokumentation im Krankenhaus. Dieses erfolgreiche Kurssystem wird seit 2008 in Kooperation mit dem Deutschen Krankenhausinstitut (DKI) aus Düsseldorf angeboten. Darüber hinaus bietet die Medcontroller GmbH erfolgreich Beratungsdienstleistungen im Krankenhaus speziell zur Organisation des MDK-Managements an.

Hannover, 05.06.2011

Medcontroller GmbH
ppa. R. Salomé, MBA
Anästhesist und Medizincontroller


und Medcontroller GmbH

This years Medicine 2.0 will be hold at Northern California

As is well known, the web went social as well as mobile somewhen in the Middle of the Noughties. Social media and mobile devices have transformed nothing less than daily life and our ability to communicate. Now, those technologies are not shy away from health, medicine and the life sciences.

Against that background, the First World Congress on Social Media and Web 2.0 in Health, Medicine and Biomedical Sciences was taking place quiet early, that is to say 2008 in Toronto (and once more in 2009). After last year’s event happened in Maastricht, Netherlands, this year's Fourth World Congress, also known as Medicine 2.0, will be back in North America again, but for the first time in the United States.

During September 16 to 19 the Stanford University School of Medicine will be the meeting point for the leading figures using social media and mobile computing applications to create wellness and new ways of delivering health care: “We’ll have the world’s experts presenting scientific studies to help people understand how best to use Web 2.0 and social media for health,” said Larry Chu, MD, an assistant professor of anesthesia at the School of Medicine who is the organizing chair of the conference. “People interested in what’s happening now at the bleeding-edge of Medicine 2.0 will learn all of that at the congress.”

It will take place the second and third day of the conference — Sept. 17 and 18 — and will feature data-driven studies of the latest projects applying Web 2.0 and mobile computing applications to health, patient care and biomedical research. Reflecting the global nature of information technologies, the organizers expect people from more than 25 countries to participate. More than 150 research presentations have been submitted. In addition to the research track, there will be practice and business tracks.

For further information about the congress itself or the agenda which includes speakers like 
  • Lee Aase, head of The Mayo Clinic Center for Social Media; 
  • Charlie Cheever, co-founder of Quora and formerly with Facebook and Amazon.com; 
  • Thomas Goetz, MPH, executive editor of Wired magazine;
  • a bunch of well-known bloggers;
  • Abraham Verghese, MD, bestselling author of Cutting for Stone and The Tennis Partner and a professor of medicine at Stanford;
  • Jennifer Aaker, PhD, a professor at Stanford’s Graduate School of Business and author of The Dragonfly Effect: Quick, Effective Ways to Harness Social Media for Impact;
  • Susannah Fox, the leader of health research at the Pew Internet and American Life Project;
  • and Dan Zarella, a social media scientist.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Weiterbildungsmöglichkeiten im Medizinischen Informationsmanagement

Wie es denn nach dem erfolgreichen Abschluss als Medizinischer Dokumentationsassistent (MDA) weiterginge, werde ich in Beratungsgesprächen immer wieder gefragt. Die gute Nachricht ist, dass es genügend Weiterbildungen gibt; die schlechte, dass ein zentrales Portal fehlt, welches die Angebote vorstellt und ggf. Erfahrungswerte oder Bewertungen mit einfließen läßt. Natürlich gibt es Portale, die gegen Gebühr Weiterbildungsangebote einstellen, aber das ist verquaast, wenig objektiv und daher nicht hilfreich. Meines Erachtens ist das eine genuine Aufgabe für einen Berufsverband, und im Mitgliederbereich des Deutschen Verbands Medizinischer Dokumentare (DVMD) e. V. gibt es tatsächlich solche Informationen, wenn auch unvollständig. Das ist kein Wunder, denn jemand von den ehrenamtlich Tätigen müsste es (auch noch) machen und die Pflege ist so zeitraubend wie aufwändig.

Ebenso unvollständig sind die Informationen, die die Agentur für Arbeit im KURSNET vorhält, aber immerhin. Auf diesen Seiten findet sich eine kleine Auswahl an Qualifizierungslehrgängen, Aufstiegsweiterbildungen (Geprüfter Fachwirt/Geprüfte Fachwirtin für Informationsdienste), Studiengängen (Dokumentar/Dokumentarin, Informationsmanager/Informationsmanagerin, Informationswissenschaftler/Informationswissenschaftlerin, Informatiker/Informatikerin (Hochschule) für Medizininformatik, Bibliothekar/Bibliothekarin, Archivar/Archivarin, Technischer Redakteur/Technische Redakteurin (Hochschule) sowie - und das finde ich ausgesprochen gut - Informationen zur Existenzgründung. Noch im vergangenen Jahr hat eine Absolventin der Euro-Schulen Trier diesen mutigen Schritt gewagt.


In der Regel handelt es sich um Vollzeitstudiengänge. Die FH Hannover kommt den MDA entgegen und erkennt an einer Berufsfachschule erworbene Leistungen im Umfang von bis zu 30 Credit Points an, das spart ein, zwei Semester. Aber so konsequent, dass die Studiengänge berufsbegleitend angeboten werden, ist bisher noch keine Hochschule. Warum nur?

Was in der Übersicht fehlt, ist das "Zertifikat Medizinische Dokumentation", welches von der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) und dem bereits erwähnten DVMD angeboten wird. Dieses Zertifikat ist der Ritterschlag, durch den der Medizinische Dokumentationsassistent (MDA) zum Medizinischen Dokumentar (MD) wird. Es gilt als solide, anerkannt und kann auch bei Gehaltsverhandlungen in die Waagschale geworfen werden. Ob man hingegen durch berufsbegleitende Kurse, die ein Upgrade vom MDA zum MD in nur wenigen Tagen Präsenzveranstaltungen versprechen, den ganzen Lehrstoff, durch den sich der MD vom MDA unterscheidet (etwa in Statistik und Programmierung), quasi im Schnellverfahren nachholen kann, muss erst noch bewiesen werden. 

Insbesondere seit Einführung des DRG-Systems wittern viele Weiterbildungsträger im Segment Medizinische Dokumentation schnell und leicht verdientes Geld. Für Weiterbildungswillige ist es nicht immer einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen. Auch vor diesem Hintergrund täte eine kommentierte Weiterbildungsdatenbank Not.

Dienstag, 7. Juni 2011

Hätten Dokumentare eine Bibel, das könnte sie sein...

... nämlich dieses schwergewichtige Werk*:


Monsieur Otlet gilt als Pionier des Informationsmanagements und Begründer der modernen Dokumentationswissenschaft. Im Allgemeinen wird er als einigermaßen besessen dargestellt, besessen nämlich davon, das Wissen der Welt zu ordnen. Mit seinem Standardwerk und mehr noch seinem ganzen Tun hat er die organisatorischen und technischen Grundlagen für die Dokumentation des Weltwissens gelegt. Bei Heise gab's dazu einen gelungenen Beitrag.

Nota bene: seine Filmbiografie trägt den Titel "L'Homme qui voulait classer le monde". "Monsieur CDU" hätte sie auch heißen können, denn zusammen mit seinem Kollegen Henri La Fontaine hatte Otlet 1895 mit der "Universellen Dezimalklassifikation" (franz.: Classification décimale universelle) eine europäische Variante von Melville Deweys "Dewey Decimal Classification" kreiert.

Was mich zunächst schmunzeln ließ, mich dann aber hoffnungsvoll stimmte, ist, dass der Film von einer Brüsseler Produktionsgesellschaft namens Wild Heart Productions hergestellt worden ist. Wild Heart? Über Dokumentare?! Das läßt mich im Annus horribilis 2011 dann doch hoffen...

;-)

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* Wahrscheinlich ähnlich oft zitiert aber ungelesen wie Vannevar Bushs "As We May Think"...

Montag, 6. Juni 2011

2011 - Annus horribilis: Studiengang Information und Dokumentation in Potsdam wird abgeschafft

2011 scheint ein Annus horribilis nicht nur für Despoten, sondern auch für den Informationswissenschaftlichen Sektor zu sein. Dr. Luzian Weisel, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) e.V. erwähnte mir gegenüber heute in einem Telefonat, dass es zur Schließung der Ulmer Schule für Medizinische Dokumentation nun bald auch ein Pendant auf akademischem Niveau gebe. Der Studiengang "Information und Dokumentation" an der Fachhochschule Potsdam läuft zum Wintersemster 2012/2013 aus. Schlechte Aussichten also für die ganze Dokumentationsbranche, "orthodox" wie medizinisch?

Die DGI hat heute reagiert und eine offizielle Verlautbarung per Newsletter und XING veröffentlicht, aus der ich im Folgenden zitiere:

"Der Studiengang „Information und Dokumentation“ an der Potsdamer Fachhochschule soll zum Wintersemester 2012/13 auslaufen" - so meldete es die Märkische Allgemeine am 10. Mai, gefolgt von (mindestens) einer bitteren Stellungnahme des daraufhin zurückgetretenen Dekans des zuständigen Fachbereiches (Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm; U.W.). Ich habe mir als Präsident der DGI in verschiedenen Einzelgesprächen mit an der Entscheidung Beteiligten ein Bild dieses Vorgangs zu machen versucht, betrifft er doch die angestammte Kernsubstanz dessen, wofür unsere Gesellschaft steht: die Dokumentationswissenschaft unabhängig von ihrem konkreten Niederschlag in der institutionellen Praxis von Bibliotheken und Archiven – denn genau diese beiden institutionell geprägten Studiengänge verbleiben nun allein in Potsdam. Ich habe heute meine Eindrücke mit dem Vorstand der DGI abgestimmt - und wenn sich unsere daraus ergebende Reaktion nicht in reflexhaftem Protestgeschrei erschöpft, so hat dies seinen Grund darin, dass eine Bewertung des Vorgangs aus unserer Sicht nur so komplex und ambivalent ausfallen kann wie die Materie selbst.

Da ist zum einen die Tatsache, dass es zu dieser Entscheidung ohne entsprechende Sparvorgaben von Seiten der Hochschulleitung und der Landespolitik wohl nicht gekommen wäre: hier ist offenbar im Fachbereich eine durchaus vertretbare Überlegung angestellt worden, derzufolge anstelle einer gleichmäßigen Umsetzung solcher Vorgaben quasi mit dem Rasenmäher über alle drei Studiengänge (mit dem Risiko, sie sämtlich in einen kritischen Zustand zu versetzen) das Opfer eines der drei Studiengänge als das kleinere Übel schien.


Warum dann aber fiel der Studiengang "Information und Dokumentation" dieser Überlegung zum Opfer und nicht einer der beiden institutionell geprägten Studiengänge für Bibliothekare oder Archivare?
(Hervorhebung durch mich, U.W.) Hier wird der Vorgang wirklich komplex und in seinen Konsequenzen bedenkenswert. Denn offensichtlich war zum Einen im Fachbereich der Eindruck vorherrschend, der nun abzuwickelnde Studiengang sei weniger gut auf aktuelle und Zukunftsthemen eingestellt als die anderen beiden - und auch die Anstrengungen des Kollegen Hobohm, eine neue, vorwärts gewandte Informationswissenschaft zu propagieren und zu praktizieren haben dem gegenüber offensichtlich nicht ausgereicht. Zum anderen aber - und dies vor allem ist bedenklich! - bekundet der neue Dekan des Fachbereichs, Günther Neher, die Chancen der Dokumentations-Absolventen am Arbeitsmarkt seien schlechter als diejenigen der Absolventen der anderen beiden Studiengänge. (Hervorhebung durch mich, U.W.) Dem wiederspricht Eleonore Poetzsch, die in dem betroffenen Studiengang lehrt, so dass in gewisser Hinsicht Aussage gegen Aussage steht. Doch auch ohne die entsprechenden Verbleibszahlen aus Potsdam überprüfen zu können stimmt bedenklich, dass uns heute im DGI-Vorstend spontan Beispiele von Stellen mit klar dokumentarischem Profil genannt wurden, die in jüngster Zeit - trotz vorliegender einschlägiger Bewerbungen! - mit nicht-dokumentarischen Fachwissenschaftlern besetzt wurden.

Dies mag beklagenswert sein - doch müssen wir als Realität akzeptieren, dass Kernbestandteile des Berufsprofils 'Dokumentation' in der öffentlichen Wahrnehmung schlicht nicht mehr existieren und wohl auch nicht so ohne weiteres wiederzubeleben sein werden.
(Hervorhebung durch mich, U.W.) Diese Einsicht verleiht dem Potsdamer Vorgang eine zwar brutale, jedoch letztlich nachvollziehbae Logik: eine eigenständige Neu-Begründung der Dokumentationswissenschaft wird wohl eine Chimäre bleiben. Aussichtsreich ist sie nur als Teil eines neuen Forschungsparadigmas, als Teil der sich gerade formierenden Web-Science. (Hervorhebung durch mich, U.W.) Genau dieser Entwicklung trägt die jüngste Diskussionsrunde der Gruppe RTP Doc in Frankreich unter dem Arbeitstitel 'Le Web sous Tension' Rechnung, in welcher der Prozess der 'Redocumentarisation du Monde' in die Welt des Web der Linked Open Data fortgeschrieben wird.

In diesem Sinne ist die in Potsdam getroffene Entscheidung für mich letztlich nachvollziehbar und zugleich erneuter Anlass zum Nachdenken über das Profil der 'Information Professionals' und der DGI. Meines Erachtens ist die Entwicklung der Dinge in Potsdam genau dann keine Katastrophe, wenn es im Sinne des Arbeitsprogramms von RTP Doc gelingt, traditionelle dokumentarische Erschließungsintrumenten (Thesauri, Klassifikationen, Ontologien) und zielgruppenspezifische Kontextualisierungsansätze mithilfe von SKOS und Methoden der semantischer Verlinkung und der Linked (open) Data neu zu positionieren und dafür zu sorgen, dass diese in den beiden verbleibenden Studiengängen ihren unverrückbaren und selbstverständlichen Platz erhalten. 

Intendiert ist damit also nicht etwa Defaitismus sondern weit eher die Vermeidung kraftraubender und letztlich nutzloser Rückzugsgefechte, denn dies eröffnet zugleich die Möglichkeit, unsere angestammten Kernkompetenzen auch im neuen Umfeld des Web sichtbar und nutzbar zu machen!

Prof. Dr. Stefan Gradmann

Präsident der DGI" 

Den Schlussfolgerungen Gradmanns ist m. E. zuzustimmen, die Neupositionierung ist anzugehen, denn sie ist überfällig. Da dies meiner Überzeugung nach auch und gerade für den Bereich Medizinisches Informationsmanagement gilt, sollten die großen Verbände im ABD-Sektor einmal darüber nachdenken, ob es sich nicht lohnte, die Neupositionierung wenn nicht gemeinsam, so doch in Tuchfühlung anzugehen. 

Reinvent information science.
Reengineer medical information management.