Mittwoch, 12. Oktober 2011

DIN ISO 26000:2011 - Ein Leitfaden für Corporate Social Responsibility (CSR)

Die Wirtschaftsethik hat eine neues Buzzword: Corporate Social Responsibility (CSR). Darunter versteht man den freiwilligen Beitrag eines Unternehmens zu einer nachhaltigen Entwicklung, die über die gesetzlichen Forderungen (Compliance) hinausgeht. CSR bezeichnet dabei ein verantwortliches unternehmerisches Handeln im eigentlichen Geschäftsfeld, bezieht ökologisch relevante Aspekte mit ein und umfasst die Beziehungen und den Austausch mit allen relevanten Anspruchs- bzw. Interessengruppen, den so genannten Stakeholdern, worunter nicht nur Kunden und Geschäftspartner, sondern selbstverständlich auch die eigenen Mitarbeiter gehören. 

Klingt umfassend, nicht wahr? Dadurch dass Märkte weit stärker zu Gesprächen geworden sind, als es sich das Cluetrain Manifest 1999 noch hatte vorstellen können, ist es mit der Freiwilligkeit von CSR jedoch so eine Sache: Durch veränderten Rahmenbedingungen, bedingt durch Vernetzung, verbesserte Informations- und Kommunikationstechnologie und die gestiegene Bedeutung von kritischen Nichtregierungsorganisationen, ist die Öffentlichkeit, sind die Verbraucher weitaus kritischer und zwingen Unternehmen geradezu dazu, sich mit CSR auseinanderzusetzen. Das gilt für global agierende Konzerne, überregional tätige KMU genauso wie für national wie lokal arbeitende Bildungsträger. Unabhängig davon, ob man will oder nur glaubt, wollen zu müssen: wie kann die Umsetzung von ISO 26000 geschehen?

Zwar ist mit der internationalen Norm ISO 26000 erstmalig ein Framework geschaffen worden, das es Organisationen, Unternehmen und öffentlichen Institutionen weltweit ermöglicht, ihre gesellschaftliche Verantwortung, also die Corporate Social Responsibility (CSR), systematisch zu identifizieren und zu priorisieren. Aber es handelt sich um einen Leitfaden, keine Norm. Keine Norm, "nur" ein Leitfaden? Ganz recht: Diese Norm ist ein Leitfaden, jedoch keine Managementsystemnorm wie EN ISO 9000 ff. Sie bietet Empfehlungen, Ratschläge, macht Vorschläge und gibt Orientierung. Man kann aus der ISO 26000 anwendbare Empfehlungen auswählen, aber man muss es nicht. Wäre sie eine Norm, so müsste man sie als Ganzes befolgen. Und weil sie nicht den Charakter einer Norm hat, ist sie für die Anwendung zur Zertifizierung nicht geeignet. Man kann sein Unternehmen nicht nach ISO 26000 zertifizieren lassen, auch wem es sinnvoll erschiene. Aber man kann den Empfehlungen individuell folgen. Und meines Erachtens sollte man auch. Wie man als Unternehmen vorgehen kann, ist auf den Seiten der International Federation of Standards Users (IFAN) zusammengestellt und auch hier.

Das Potenzial, welches ISO 26000 für Unternehmen und Organisationen bietet, liegt in der Motivation. Der Motivation des Unternehmens, seiner Mitarbeiter und Kunden, kurz: aller Stakeholder. ISO 26000 zeigt Unternehmen, wie sie gesellschaftliche Verantwortung in ihre Wertvorstellungen und Praktiken integrieren können.

Gerade einem Bildungsträger stünde die vertiefte Auseinandersetzung mit einem solchen auf Nachhaltigkeit ausgelegten Leitfaden recht gut, denn er ist als Multiplikator tätig. Zudem käme er einem Wunschgedanken der Schulgesetzgebung auch praktisch nach. So heißt es z. B. in § 2 Absatz 4 des nordrhein-westfälischen Schulgesetzes, dass "die Schule [...] die Entfaltung der Person, die Selbstständigkeit ihrer Entscheidungen und Handlungen und das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl, die Natur und die Umwelt" zu fördern habe und dass sie die Schülerinnen und Schüler befähige, "verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben teilzunehmen und ihr eigenes Leben zu gestalten." Nichts anderes bedeutet CSR.



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