Freitag, 27. April 2012

„Ausbildung, Lernen und Familie miteinander verbinden“




Universitätsmedizin Mainz bietet erstmals Pflegeausbildung in Teilzeit an – Samira Veith ist bei der ersten Ausbildungsrunde dabei

Die Universitätsmedizin Mainz bietet ab August 2012 erstmals eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger an, die als familienfreundliche Teilzeitausbildung absolviert werden kann. Damit alle Inhalte der regulären Ausbildung adäquat vermittelt werden können, dauert die Ausbildung vier statt der sonst üblichen drei Jahre. So wird der Pflegeberuf gerade für diejenigen attraktiver werden, die eine Vollzeitausbildung aus zeitlichen oder familienbedingten Gründen nicht absolvieren können, etwa weil sie sich um die Erziehung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen kümmern wollen. Eine von ihnen ist die 23jährige Samira Veith, die zum 1. August 2012 mit der Teilzeitausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin beginnen wird.


„Mir ist der Kontakt zu Menschen wichtig, den ganzen Tag im Büro zu sitzen und am Computer zu arbeiten ist nichts für mich, das weiß ich“, antwortet die zweifache Mutter Samira Veith auf die Frage warum sie sich für eine Ausbildung im Bereich Pflege entschieden hat. Besonders klasse findet sie, dass diese Ausbildung nun an der Universitätsmedizin Mainz auch in Teilzeit angeboten wird: „Mich hat hieran angesprochen, dass ich alles unter einen Hut bekomme! Meine Kinder müssen nicht zurückstecken, ebenso wenig mein Partner und ich selbst natürlich auch nicht. So kann ich Ausbildung, Lernen und Familie miteinander verbinden.“

Familienfreundliche Ausbildung – für Samira Veith ist das „generell ein tolles Modell“. Für Evelyn Möhlenkamp, Pflegevorstand der Universitätsmedizin Mainz ist es noch weit mehr: „Durch unsere Teilzeitausbildung stellen wir sicher, dass wir genügend Nachwuchs für die Pflegeberufe gewinnen, eben weil wir auf neue, bisher vernachlässigte Zielgruppen für die Pflege fokussieren. Wenn man so will, dann ist das für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation.“

Nachwuchs können die Pflegeberufe dringend gebrauchen. Denn: Der demografische Wandel manifestiert sich im Gesundheitsmarkt gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen altert die Gesellschaft so rapide, dass nicht nur in naher Zukunft, sondern schon jetzt ein enormer Bedarf an qualifizierten Pflegekräften besteht. Zum andern hat die Geburtenrate nach der Babyboomer-Generation schleichend abgenommen, so dass mittlerweile längst nicht mehr jeder Ausbildungsplatz zum Gesundheits- und Krankenpfleger besetzt werden kann.

Und noch etwas kommt hinzu: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nimmt für Erwachsene im arbeitsfähigen Alter einen immer höheren Stellenwert ein – wie auch das Beispiel von Samira Veith zeigt. Wie viele andere, will sie sich dem Leben in der Familie und der Betreuung von Kindern widmen, ohne dabei Job und Karriere zu vernachlässigen. Unter dem Strich bedeutet dies, dass Arbeitnehmer zukünftig vorwiegend solche Ausbildungs- und Arbeitsplätze berücksichtigen, die ihnen attraktive, familienfreundliche Konditionen bieten.

22 Teilzeitausbildungsplätze in der Pflege


Zunächst will die Universitätsmedizin Mainz 22 Teilzeitausbildungsplätze anbieten. In dem entsprechenden Lehrplan wurden die Theorie- und Praxisblöcke verlängert: So werden die Inhalte jedes Ausbildungsjahres nicht innerhalb eines Jahres, sondern innerhalb des entsprechend verlängerten Zeitraums von einem Jahr und vier Monaten vermittelt. Dadurch ist die Vermittlung der Lernmodule analog der dreijährigen Vollzeitausbildung sichergestellt. Auch die praktischen Einsätze entsprechen inhaltlich der dreijährigen Ausbildung, verteilen sich aber auf den größeren Zeitraum von vier Jahren. Ausgehend von einer 38,5 Stunden-Woche in Vollzeit, absolvieren die Teilzeit-Schüler 29 Wochenstunden über vier Jahre.

„Wir leisten unseren Beitrag zur Work-Life-Balance bereits während der Ausbildung“, sagt Ulrich Wirth, der die Schulen für Gesundheitsfachberufe der Universitätsmedizin Mainz leitet und selbst zertifizierter Demografie-Berater ist. So sei bei der Gestaltung der Ausbildung auf familienfreundliche Bedingungen geachtet worden, ergänzt Rosl Becker, Leiterin der Staatlich anerkannten Gesundheits- und Krankenpflegeschule und Schule für Krankenpflegehilfe an der Universitätsmedizin Mainz, etwa bei der Urlaubsplanung: „Wir haben die Urlaubszeiten bevorzugt auf die Schulferien gelegt und an den Brückentagen sowie über Weihnachten und Neujahr generell Urlaubstage eingeplant.“

Das ganze Konzept geht dann besonders gut auf, wenn es gleich nach der Ausbildung familienfreundlich weiter geht: „Wir versuchen, den examinierten Gesundheits- und Krankenpflegern auch nach Ende der Ausbildung genügend Teilzeitangebote zu bieten, wodurch wir den Pflegeberuf nachhaltig für neue Zielgruppen attraktiver machen“, sagt Evelyn Möhlenkamp.

Samira Veith betont: „Insbesondere denjenigen, die den Gedanken an eine Ausbildung in der Pflege einmal hatten, ihn aber dann aus familiären Gründen verworfen haben, würde ich unbedingt raten, sich über die neue Ausbildungsform zu informieren.“

Weitere Informationen: http://www.unimedizin-mainz.de/gukps/uebersicht.html

Samira Veith beginnt im August an der Universitätsmedizin Mainz eine Pflegeausbildung in Teilzeit. Wie Ulrich Wirth, Leiter der Schulen für Gesundheitsfachberufe, ist sie von dem neuen familienfreundlichen Ausbildungskonzept überzeugt. (Bildquelle: Universitätsmedizin Mainz)

Montag, 16. April 2012

Studie "Social Media in der Unternehmenskommunikation"

Wer kümmert sich um Social Media in den Unternehmen?

Menschen verbreiten Interessantes aus ihrem Leben, ihren Internet-Funden und ihrer Gedankenwelt und verknüpfen sich über diese kurzen Meldungen wieder mit anderen Nutzern. Die Informationen (und Gerüchte) fließen im virtuellen Netzwerk schneller und werden mit anderen Informationen angereichert. Themen werden dadurch pointierter gesetzt, die digitale Reichweite wird deutlich gesteigert. Daher setzen viele Unternehmen auf Facebook-Fanseiten, Google+-Unternehmensseiten oder ein aktives Netzwerken ihrer Mitarbeiter auf XING. Doch die hier bewährten Mechanismen werden zunehmend auch fur die interne Kommunikation zwischen den eigenen Mitarbeitern interessant.

So entsteht Kommunikation jenseits von internen Hierarchien und bisherigen externen Kommunikationsstrukturen. Im Idealfall bieten interne Social-Media-Plattformen den Boden fur unkonventionelle Lösungsansätze und ermöglichen die Weitergabe wichtiger Arbeitsinformationen. Wo aber liegen die Unterschiede beim Einsatz der einzelnen Instrumente in mittelständischen und grossen Unternehmen? Was sind die Stolpersteine auf dem Weg zu einem erfolgreichen Einsatz von Social Media? Und was würden sich Kommunikationsverantwortliche wünschen fur einen noch selbstverständlicheren Einsatz von Social Media im Arbeitsalltag?

Diese Fragen haben die Agenturen Stier Communications AG (Schweiz) und HIRSCHTEC (Deutschland) in einer umfangreichen Studie mit 73 Schweizer und 38 deutschen Unternehmen analysiert. Die Befragung hat sich über alle Branchen erstreckt und umfasste Unternehmen mit 10 bis über 200 000 Mitarbeitern. Die vollständige Studie erscheint im Sommer 2012, die wichtigsten Ergebnisse sind im folgenden Artikel exklusiv für das Wirtschaftsmagazin zusammengefasst.

Social Media - Organisation, Potenziale und Risiken

Welche Unternehmen setzen Social Media ein, und wie ist der Einsatz organisiert? Ein wichtiges Ergebnis gleich vorweg: Schweizer und deutsche Unternehmen unterscheiden sich nicht spürbar. Vielmehr ist ein deutlicher Unterschied bei der Anzahl der Mitarbeiter zu erkennen. Gut 74% der Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern setzen bereits Social Media ein oder planen, es in der Zukunft einzuführen. In der Gruppe der Unternehmen mit unter 1000 Mitarbeitern sind es 68%. Allerdings haben sich gut 14% der kleineren Unternehmen noch keine Meinung gebildet (bei Konzernen sind dies lediglich 4%). Unterscheidet man zwischen "informationsintensiven Branchen" (u. a. Banken, Versicherungen) und "produktionsnahen Branchen" (u. a. Maschinenbau, Chemie), ist es nicht überraschend, dass die Unternehmen mit einem hohen Anteil an "Informationsarbeitern" Social Media stärker einsetzen. Diesen Unternehmen sind die Mechanismen von sozialen Kommunikationskanälen besser vertraut, und den Mitarbeitern fällt es leichter, diese zu bedienen und in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Aber hier liegt auch eine Chance für Unternehmen mit einem hohen Anteil an gewerblichen Mitarbeitern. Sie können sich gegenüber ihren Wettbewerbern in der digitalen Welt deutlicher absetzen und potenzielle neue Mitarbeiter uber diese Kanäle eher auf sich aufmerksam machen.

Wer kümmert sich um Social Media in den Unternehmen?

Bei mittelständischen Unternehmen ist Kommunikation und Social Media klar Chefsache. Die Verantwortung und oft auch die operative Umsetzung liegen bei der Geschäftsfuhrung (und deren Assistenz). Konzerne vertrauen hier auf spezialisierte Abteilungen, verfügen über deutlich professionellere Strukturen und betreuen Social Media mit einem höheren Zeiteinsatz. Der Grossteil dieser Befragungsgruppe verfügt über mehr als fünf Kommunikationsmitarbeiter und wendet mehr als zehn Stunden pro Woche fur die Betreuung von Facebook, Blogs und Twitter auf. Interne Plattformen werden dagegen selten moderiert oder sogar vollständig dem Regulativ der Mitarbeiter überlassen. Die interne Verwendung von Social Media liegt im Vergleich zu den externen Aktivitäten damit deutlich zurück. Nur 17% der Unternehmen bietet den Mitarbeitern soziale Vernetzungs- und Kommunikationsplattformen an. Differenziert man hier wieder nach der Mitarbeiterzahl, wird deutlich, dass grosse Unternehmen die Chancen fur den internen Gebrauch jedoch deutlich höher einschätzen. Dies ist klar durch die komplexeren Organisationsstrukturen und Arbeitsprozesse zu erklären, da sich in verzweigten und räumlich verteilten Unternehmen Netzwerkeffekte eher bezahlt machen und die Akzeptanz bei den Mitarbeitern dadurch höher ist. Allgemein besteht hier aber ein grosser Nachholbedarf, da durch den anstehenden Generationenwechsel in allen Unternehmen die Generation "Facebook" nachrückt, die am Arbeitsplatz mit den bekannten Werkzeugen kommunizieren und interagieren möchte. Werden diese nicht angeboten, wird die Produktivität dieser Zielgruppe sinken und die Gefahr zunehmen, dass junge Talente die Unternehmen schneller wieder verlassen.

Worin liegt nun das Potenzial von Social Media fur die Unternehmen?


Rund 73% aller Studienteilnehmer sehen in der Information der Kunden und der Steigerung der eigenen Bekanntheit die grössten Effekte. Darauf folgt auf Platz drei mit 72% die Gewinnung neuer Mitarbeiter. Social Media wird daher noch klassisch als 1:N-Kanal verstanden - das Unternehmen verbreitet Informationen an viele Nutzer. Die Interaktion, die sich durch Kommentierung, Bewertung und Posting der Nutzer eröffnet, wird bisher kaum wahrgenommen.

Und die Risiken?

Ablenkung der Mitarbeiter, Datenmissbrauch und die Angst, die Kontrolle über die vermittelten Botschaften zu verlieren, dominieren die Liste der Risiken, die Unternehmen bei der Anwendung von Social Media befürchten. Interessant ist dabei, dass besonders bei grösseren Unternehmen diese Ängste stärker ausgeprägt sind. Dabei könnten gerade sie mit den etablierten klassischen Kanälen besser gegensteuern und auch mit ihrem höheren Zeiteinsatz Social Media viel effektiver beobachten und moderieren. Die Betreuung der neuen Kanäle scheint nicht sattelfest zu sein
und sich immer noch im Erprobungsstadium zu befinden.

Zusammenfassung und Empfehlungen


Social Media hat sich in den Unternehmen aller Branchen etabliert. Gut 50% aller befragten Unternehmen arbeiten mit Facebook, Twitter oder speziellen Blog-Plattformen. Der Einsatz von Social Media fur die interne Kommunikation steckt jedoch in den Kinderschuhen und wird (wenn überhaupt) eher von grossen Unternehmen unterstützt. Hier steckt ein erhebliches "Renovierungspotenzial", da sich die digitale Arbeitswelt auf die jüngeren nachrückenden Mitarbeiter einstellen muss und Unternehmen im Wettbewerb um die besten Talente nicht zurückstehen dürfen. Grosse Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern verfügen über professionalisierte Kommunikationsstrukturen, wenden mehr als zehn Stunden pro Woche fur die Betreuung auf, schätzen aber die Risiken von Social Media deutlich höher ein. Die Risiken werden überwiegend im Datenschutz, im Kontrollverlust und der Ablenkung der eigenen Mitarbeiter vermutet. Die grössten Chancen von Social Media sehen die Unternehmen in der Aussendarstellung, der Gewinnung neuer Mitarbeiter und der Kommunikation mit Kunden und Geschäftspartnern.

Social Media ist aus dem Kommunikationsalltag nicht mehr wegzudenken. Allerdings haben sich Unternehmen bisher strukturell noch nicht vollständig darauf eingestellt. Zwar wird intensiv nach aussen "genetzwerkt", es fehlen jedoch integrierte Betreuungsmodelle und die Anpassung interner Strukturen auf die neuen Kanäle. Besonders das Potenzial der Interaktion mit den Nutzern wird noch unterschätzt und sollte weiter ausgebaut werden.

Die vollständige Studie kann uber l.hirsch@hirschtec.eu zu einem Preis von CHF 95.- elektronisch bezogen werden.

(Quelle: http://www.pressetext.com/news/20120412008)