Freitag, 8. Februar 2013

Entbürokratisierung der Pflege durch Medizinische Dokumentationsassistenten

Von der "Vereinbarung zur Fachkräfte- und Qualifizierungsinitiative Gesundheitsfachberufe 2012-2015, Berufsfeld Pflege" verspricht sich das Land Rheinland-Pfalz die Sicherung des zukünftigen Bedarfs an Pflegefachkräften. Der Maßnahmeplan umfasst insgesamt elf Handlungsfelder.

Handlungsfeld IX gibt Empfehlungen für attraktive Beschäftigungsbedingungen und betriebliche Gesundheitsförderung. Im Abschnitt IX.4 heißt es explizit:

"Die Verbände der Einrichtungsträger wirken darauf hin, weiterhin den Bürokratieaufwand und die daraus entstehenden Belastungssituationen von Pflegekräften im Alltag genauer zu analysieren und Wege aufzuzeigen, wie die Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser diese reduzieren können. Sie wirken weiterhin darauf hin, dass moderne Dokumentationssysteme zum Einsatz gebracht werden. Ebenfalls soll der Einsatz von Fachkräften wie beispielsweise Medizinische Dokumentationsassistentin bzw. -assistent oder Medizinische Organisationsassistentin bzw. –assistent oder Administrationsassistentin bzw. -assistent geprüft werden."
Damit hat sich ein Bundesland erstmals für das "neue" Berufsbild des  Medizinischen Dokumentationsassistenten ausgesprochen.

Da hat sich meine Mitarbeit in der Arbeitsgruppe ja gelohnt :-)

Mittwoch, 6. Februar 2013

Lassen sich Verfahren leistungsorientierter Mittelzuweisung aus dem Bereich der Hochschulfinanzierung als Anreizsystem auf Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege übertragen?



Finanzierungsformeln und Zielvereinbarungen sind Instrumente der leistungsorientierten Mittelzuweisung. Was haben diese Finanzierungsverfahren, die im Bereich der staatlichen Hochschulfinanzierung und der internen Steuerung von Hochschulen zu finden sind, mit der Ausbildung von Gesundheitsfachberufen zu tun? Auf den ersten Blick sicher wenig, da die Finanzierung von Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen an Krankenhäusern einer anderen Logik der Ressourcenverteilung gehorcht. Verschiebt man den Fokus aber von der Finanzzuweisung an sich auf das Anreizsystem, das durch diese beiden Reforminstrumente geschaffen wird, dann wird die leistungsorientierte Mittelzuweisung zu einer Methodik, mit der Aufgabenübernahme und -erfüllung, Leistung und Innovation finanziell honoriert bzw. geringer Erfolg in diesen Bereichen sanktioniert werden kann.



Von der positiven Wirkung von Sanktionen

Sanktionieren deutet darauf hin, dass – bewusst drastisch formuliert – der leistungsbezogenen Budgetierung der Grundgedanke von Bestrafung inhärent ist. Der französische Philosoph und Psychologe Michel Foucault hat darauf hingewiesen, dass hinter Bestrafung und – weil das eine nicht ohne das andere auskommt – hinter Belohnung die dahinter liegende komplexe gesellschaftliche Funktion betrachtet werden muss.[1] Im Unternehmenskontext darf dies mit „komplexer unternehmerischer Funktion“ übersetzt werden, auf die sich Bestrafung und Belohnung positiv auswirken sollen, seien die Effekte auch noch so marginal, wie Foucault es formuliert. Das Ziel eines Anreizsystems besteht also nur vordergründig in der Honorierung, vielmehr aber in der „Intensivierung innovationsorientierten Verhaltens“.[2]



Ausbildung von Gesundheitsfachberufen im Jahre 2013 bedarf eines Anreizssystems

Die Ausbildung von Gesundheitsfachberufen mit Mittelzuweisung in Verbindung zu bringen impliziert, dass Ausbildung eines Anreizsystems bedarf, das auf Zielorientierung abzielt. Doch welche Ziele sind mit der Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen verbunden? Einerseits geht es darum, Schüler hervorragend auszubilden; andererseits zunehmend darum, diese Schüler nach der Ausbildung der eigenen Klinik zuzuführen. Unter den Bedingungen des wirtschaftlichen, technischen und demografischen Wandels kommt dies einer Herausforderung gleich, die allen an der Ausbildung Beteiligten viel abverlangt.

Der Ausbildungsauftrag besteht aus Klinikperspektive demnach in der Fachkräftesicherung und im internen Personalrecruiting. Kliniken insbesondere in Ballungsgebieten gelingt dies in den letzten Jahren zunehmend weniger. Möglicherweise kann ein Anreizsystem diese Entwicklung rückgängig machen oder wenigstens aufhalten helfen.



Anreizsystem zur Performance-Steigerung

Viele Kliniken versuchen mit einem Maßnahmenmix dieser Entwicklung gegenzusteuern. Eine dieser Strategien besteht in der Entwicklung, besser: Nachqualifizierung von solchen Führungskräften, die seit Jahren Leitungspositionen innehaben, für die sie rein formal aber nicht (ausreichend) qualifiziert sind. Dazu werden stärker als in der Vergangenheit strukturierte Mitarbeiter- und Personalentwicklungsgespräche eingesetzt. Zielvereinbarungen als Instrument zur Führung und Motivation von Mitarbeitern rücken zunehmend in den Fokus. Das Anreizsystem fokussiert auf den Outcome der Ausbildungsverantwortlichen mit dem Ziel, gute Leistung mit einem Bonus finanziell zu belohnen, schlechte zu sanktionieren.

Neben Zielvereinbarungen können ggf. auch andere Verfahren der Finanzzuweisung aus dem Bereich der Hochschulfinanzierung als Anreizsystem auf die Gesundheits- und Krankenpflege-Ausbildung übertragen werden, etwa Finanzierungsformeln.





[1]     „Die Analyse der Strafmechanismen soll nicht in erster Linie an deren ‚repressiven‘ Wirkungen als ‚Sanktionen‘ ausgerichtet sein, sondern sie in der Gesamtheit ihrer positiven Wirkungen, auch der zunächst marginal erscheinenden, einordnen. Die Bestrafung soll demnach als eine komplexe gesellschaftliche Funktion betrachtet werden.“ Michel Foucault: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. 10. Aufl. Frankfurt am Main 1992, S. 34.


[2]     Vgl. dazu Sonja Schmicker und Yvonne Paarmann: Innobonus – Instrument zur kulturunterstützenden Entwicklung von Anreiz- und Belohnungssystemen. In: Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Unternehmenserfolg – eine Frage der Kultur. Bonn und Berlin 2008, S. 39-45, hier S. 39.

Dienstag, 5. Februar 2013

"Gesundheit braucht Pflege": wie das Klinikum der Universität München (LMU) um Nachwuchs für die Pflege wirbt

Der Fachkräftemangel in den Gesundheitsfachberufen ist schon heute spürbar, insbesondere in der Pflege. Es mangelt daher nicht an Initiativen, die darauf abzielen, für die Gesundheitsfachberufe zu werben, die Aus- und Weiterbildung zu stärken und die Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern.

Ein gelungenes Beispiel für eine Imagekampagne für Pflegeberufe hat das Klinikum der Universität München (LMU) vorgelegt. Mit der Broschüre "Gesundheit braucht Pflege" gibt das LMU-Klinikum einen spannenden Einblick in die Berufswelt der Gesundheits- und Krankenpflege und wirbt um neue Kolleginnen und Kollegen für die Bereiche Allgemeine Stationen, Anästhesie und Intensiv, OP, Ambulanz sowie für die Abteilungen Management, Stabsstellen, Sozialberatung und EDV.


Montag, 4. Februar 2013

Wider den demografischen Wandel - Fachkräfte- und Qualifizierungsinitiative Gesundheitsfachberufe 2012-2015

Wer sich schon immer einmal gefragt hat, was ich den lieben langen Tag so treibe, findet hier eine von gefühlt 120 Antworten darf sich einmal die "Vereinbarung zur Fachkräfte- und Qualifizierungsinitiative Gesundheitsfachberufe 2012-2015, Berufsfeld Pflege" durchlesen. Diese Vereinbarung hat das Land Rheinland-Pfalz gemeinsam mit verschiedenen Akteuren aus dem Gesundheitswesen und der Pflege erarbeitet (und da war ich dabei) und am 14. Dezember 2012 geschlossen. Dadurch soll der zukünftige Bedarf an Pflegefachkräften gesichert werden.
Die gemeinsame Vereinbarung zielt darauf ab, mit vereinten Kräften noch mehr junge Menschen für einen Beruf in der Pflege zu gewinnen, Arbeitsbedingungen zu verbessern und Menschen aus anderen Berufen für die professionelle Pflege zu qualifizieren. 
Die Vereinbarung ist m. E. vielversprechend, aber nur dann, wenn alle Akteure an einem Strick ziehen - und zwar in die gleiche Richtung.