Donnerstag, 8. August 2013

Checkliste Social Media: Wann sich Ärzte auf sicherem Eis bewegen


Nur einer von zehn Ärzten nutzt Facebook auch zu beruflichen Zwecken. [1] Die anderen hegen Vorbehalte gegenüber Sozialen Netzwerken und glänzen durch Abwesenheit. Dabei leisten Facebook, Twitter & Co. durchaus gute Dienste hinsichtlich Praxismarketing und Self Employee Branding.
Überstürzen ist als Strategie offensichtlich genauso schlecht wie Vermeiden, es kommt, wie so oft, auf die Vorbereitung an: Noch vor aller Strategie lohnt es sich einmal, die folgenden Fragen zu beantworten, bevor man Hals über Kopf in die Untiefen Sozialer Netzwerke eintaucht. Die Checkliste von Benjamin J. Visser, Florian Huiskes und Daniel A Korevaar ist im
"Indian Journal of Medical Ethics"
erschienen und dient dabei der Selbst-Evaluation [2]:

  • Social Media-Profil: In Ihrem Facebook-Auftritt zeigen Sie Fotos, verlinken auf Videos und kommentieren Beiträge anderer. Passen diese persönlichen Informationen zu Ihrem Image als Arzt?
  • Privatsphäre: Mit den Privatsphären-Einstellungen regeln Sie den Zugang zu den Informationen, die Sie mitteilen. Sind Sie sich darüber bewusst, wer alles Zugriff auf Ihr Profil hat auf der Grundlage Ihrer Privatsphären-Einstellungen?
  • Online-Reputation: Sind Sie mit den Informationen, die man über Sie und Ihre Praxis im Netz findet, eigentlich zufrieden?
  • Patienten: Sind Sie mit aktuellen oder früheren Patienten auch online verbunden?
  • Pharmaindustrie: Stehen Sie online mit der Pharmazeutischen Industrie oder einem anderen Unternehmen in Verbindung? Es kann ja ganz harmlos sein, aber dennoch bei Dritten Fragen aufwerfen bezüglich Ihrer Integrität und Unabhängigkeit…
  • Datenschutz: Gewährleisten Sie die Privatsphäre Ihrer Patienten? Und Ihre Kollegen? Auch dann noch, wenn ein „Fall“ in verschiedenen Foren diskutiert wird, so dass jede weitere Information die Identität des Patienten mehr und mehr aufdeckt? Die Summe der Informationen machts! Das ist ganz so wie früher bei Dalli-Klick!
  • Verleumdung: Früher tobten sich Akademiker in Fußnoten aus (z.B. „Völlig abwegig hingegen Meyer, S. 45ff.“), heute im Social Web. Neigen Sie auch dazu, sich auf Kosten anderer Meinungen zu amüsieren. Die Konkurrenz unter niedergelassenen Ärzten ist groß – diffamieren Sie da schon einmal einen Kollegen? Schreiben Sie niemals Sachen über andere, die Sie über sich selbst auch nicht lesen möchten.
  • Patientenvertrauen: Gibt es Beiträge von Ihnen, die unter Umständen das Potenzial haben, das Vertrauen von Patienten in Ihre Arbeit oder die Ihrer Kollegen zu erschüttern?
  • Evidenzbasierung: Sie äußern sich zu medizinischen Sachverhalten und geben Ratschläge – geschieht das evidenzbasiert und sind Sie auf dem neuesten Stand der Wissenschaft?
  • Copyright: Beachten Sie die Urheberrechte anderer Autoren und Institutionen?
  • Disclaimer: Na, bei jedem Posting auch an den Haftungsausschluss gedacht?

Sofern Sie die Fragen zufriedenstellend beantworten können, bewegen Sie sich auf sicherem Eis.

[1] telegate AG (Hrsg.): Studie „Mittelstand und Werbung 2012“, Teil 1, Januar 2013. Online im Internet: http://www.telegate.com/static/medien/media/130125_Mittelstandsstudie_2012_Teil_1.pdf  
[2] Benjamin J. Visser, Florian Huiskes und Daniel A Korevaar: A social media self-evaluation checklist for medical practitioners. In:
Indian Journal of Medical Ethics Vol IX No 4 October - December 2012. Online im Internet:
http://www.issuesinmedicalethics.org/pdfs/204ar245.html.pdf
Danke an Neelesh Bhandari für Hinweis und Post!
 
Datum der Zugriffe: 2013-08-06.

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